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Anzeichen, dass du den Zugang zu dir selbst verloren hast: und wie du ihn wiederfindest

Was fange ich noch mit meinem Leben an?

Vielleicht hast du dir diese Frage selbst schon einmal gestellt. Und auch wenn diese Frage sehr wichtig ist und wir sie uns eigentlich viel öfter stellen sollten, trägt sie auch eine unangenehme Nuance in sich, wenn sie in einem Moment auftaucht, in dem man sich frustriert, gelangweilt und traurig fühlt. Wenn man seine Ziele aus den Augen verloren hat oder keine bestehen, wenn gefühlt der innere Kompass durchdreht, weil im Außen wenig Greifbares besteht, das einem das Gefühl gibt, angekommen zu sein, wenn sich das Umfeld wie ein Essigsud anfühlt, aus dem man schnell entfliehen möchte, und man gleichzeitig selbst in einer merkwürdigen Warteposition steckt.

Vielleicht kennst du das auch in solchen Momenten voller Gedankennebel und Gefühlschaos und gleichzeitig fühlt man sich irgendwie undankbar, weil eigentlich alles da ist, was man braucht, und man zufrieden sein sollte.

Und dann in Gesprächen mit anderen fühlt man sich noch unverstandener, falsch und vielleicht sogar übersensibel, wenn Kommentare kommen wie: Das geht uns allen mal so, das geht vorbei. Wenn man sich ein Herz fasst und es anspricht.

So ging es mir vor ein paar Jahren. Vieles war soweit in Ordnung, aber ich fühlte mich nicht wirklich erfüllt und irgendwann kam der Punkt, an dem ich mir selbst nicht mehr erklären konnte, warum ich mich so fühle. Rein objektiv konnte ich es vielleicht erklären, aber da war noch etwas, das viel tiefer ging. Dieses Gefühl von: Das war es doch jetzt nicht, oder? Da gibt es doch noch mehr.

In diesem Beitrag teile ich meine Reise, vom Startpunkt Chaos über einzelne Meilensteine bis zu dem Moment, an dem ich verstanden habe, dass ich den Zugang zu mir selbst verloren hatte. Und auch meine Erfahrungen und Erkenntnisse.

Was bedeutet es, den Zugang zu sich selbst zu verlieren?

Für mich war es die tiefe Erkenntnis, dass ich eigentlich nur noch im Außen war und so gut wie keinen Zugang zu mir selbst hatte. Ich war ständig am Leisten, Machen und Tun, immer in der stillen Hoffnung, dann alles zu erreichen, was ich bis dato wollte. Ich hatte mich selbst oft dadurch übergangen und keine Grenzen gesetzt und gleichzeitig auch andere Menschen verletzt.

Ich hatte mich selbst nicht mehr verstanden, weil ich nicht danach handelte, was ich wirklich wollte, weil es mir nicht bewusst war. Ich folgte anderen Menschen, anstatt meine eigenen Ziele zu definieren, geschweige denn sie überhaupt zu kennen. Ich nahm vieles einfach so hin, ohne es wirklich für mich zu hinterfragen. Ich war damit beschäftigt, anderen zu gefallen und ihre Erwartungen zu erfüllen. Ich war mit anderen Menschen mehr beschäftigt als mit mir selbst.

Und das Interessante daran ist, dass es Menschen gab, die mir immer wieder eingeredet haben, dass ich falsch bin, wenn ich mal eine andere Meinung habe oder auch mal nicht dem Strom folge. Das hat mich oft in meinem Selbstwert stark getroffen.

Und das alles passiert nicht plötzlich. Es ist eher eine Art Frequenz, die sich über eine Zeit lang im Leben hält und irgendwann lauter wird. Bis sozusagen die innere Stimme lauter wird, weil Kommandant Kopf mit seinen Strategien nicht wirklich weiterkommt.

Inneres Chaos brach aus und ich verstand mich selbst nicht. Warum? Weil ich versucht habe, etwas mit meinem Verstand zu lösen, das zu diesem Zeitpunkt viel tiefer lag. Da war ein Grundbedürfnis, mein Leben anders leben zu wollen als bisher, anders als mein Status quo. Ich wusste nur nicht, wie ich das machen sollte. Da war dieses Gefühl, aber mein Verstand kannte die Antwort darauf nicht.

Denken, Handeln und Fühlen passten nicht mehr so recht zusammen. Gleichzeitig begann sich etwas zu verändern. Der Zugang zu mir selbst begann sich zu öffnen, in ganz kleinen, subtilen Schritten, wie Geröll, das langsam entfernt wird. Und plötzlich schlichen sich Fragen ein wie:
Was will ich? Was will ich wirklich?
Was brauche ich?
Was tut mir gut? Was tut mir wirklich gut?
Wo darf ich jetzt sehr ehrlich sein und sagen, was ich nicht mehr möchte?

Neue Fragen, manchmal unbequeme Antworten.

Wenn du beginnst Dich dir selbst zu öffnen – wird es spannend und unbequem zugleich. Nicole Wenk

Die Anzeichen: Woran merkst du, dass du dich selbst aus dem Blick verloren hast?

Die Anzeichen können bei jedem Menschen anders sein. Sie können sehr eindeutig sein oder eher subtiler Natur. Was ich für mich gelernt habe: Unsere Welt ist laut und wild geworden und dieses stille Stimmchen in uns wird sehr oft übergangen. Wir lenken uns ganz leicht von uns selbst ab, durch die bunten Bilder aus Funk und Fernsehen, durch Social Media und durch die vielen Informationen, die ständig auf uns einprasseln, ob wir das wollen oder nicht.

Vor allem auch solche, die uns sagen, was wir brauchen und was nicht.
Und dann gibt es Promis, Trends, Dramen und die Themen anderer Menschen, die plötzlich wichtiger erscheinen als unsere eigenen. Und vieles mehr.
Das Interessante ist – es geht alles oft so schnell und wir bekommen es nicht mal mehr mit. Wir und unser Nervensystem sind schon so daran gewöhnt, dass wirklich mal Ruhe und Stille schwerer zu ertragen sind.

Du weißt nicht mehr, was du willst

Bei mir habe ich irgendwann festgestellt, dass ich nicht mehr wusste, was ich wirklich im Leben will. Nicht zuletzt, weil es auch einfach zu anstrengend war. Das, was ich mir wünschte, traf nie wirklich ein oder zumindest nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Die riesigen Träume und Wünsche, die man vielleicht als Kind noch hatte, wurden mit der Zeit kleiner und verschwanden irgendwann fast vollständig.

Man weiß noch ungefähr, was man will, aber denkt nicht mehr langfristig oder sogar gross. Wenn überhaupt, dann vielleicht bis zum nächsten Jahr. Und wenn man nicht weiß, was man wirklich will, hat man auch keine Ziele, keine größeren Wünsche und keine Richtung mehr, die man selbst bestimmt. Man richtet sich an Dingen aus, die vielleicht wichtig sind, aber nicht mehr viel mit Freude zu tun haben.

Viele haben vergessen oder wissen nicht mehr, was sie wollen – aber sie wissen oft sehr genau, was sie nicht mehr wollen. Das Schmerzhafte ist meist, sich das selbstehrlich einzugestehen.

Übung: Du weißt nicht mehr, was du willst

Schreib dir einmal auf, was du nicht mehr willst, ohne sofort Lösungen zu suchen oder etwas verändern zu wollen. Wenn du zum Beispiel in einem Job hängst, in dem du nicht mehr sein möchtest, kämpfst du vielleicht innerlich dagegen oder du gibst irgendwann auf und ergibst dich. Sich aber ganz bewusst zu machen, was du daran nicht mehr willst, kann eine andere Perspektive auf das eröffnen, was du stattdessen möchtest.

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Du wartest darauf, dass etwas oder jemand dein Leben verändert

Ich persönlich habe gewartet. Auf den nächsten Tag, den nächsten Urlaub, den Partner, die Idee, die alles verändert, das Zeichen, das alles verändert, auf andere Menschen, die mir sagen, was und wie ich etwas machen soll. Und natürlich auch auf die nächste Ablenkung, damit ich mich nicht wirklich mit mir selbst beschäftigen musste.

Ich hatte übersehen, dass ich in einem Warteraum saß, das Ticket (im übertragenen Sinne) bereits in der Hand hielt. Ich traf keine wirklichen Entscheidungen, die etwas verändern konnten. Ich verbarg meine wirklichen Gedanken vor mir selbst und damit auch das selbstermächtigende Handeln, das wichtig war.

Ich wusste nur nicht, wie ich mein Ticket in der Hand lesen sollte, weil es noch in einer Sprache geschrieben war, die ich nicht verstand: selbstehrlich, selbstverantwortlich und selbstermächtigend. Warten kann ermüdend sein, vor allem wenn wir auf andere Menschen oder auf etwas anderes warten. Auch wenn wir das nicht bewusst tun, warten wir manchmal trotzdem.

Übung: Du wartest darauf, dass etwas oder jemand dein Leben verändert

Auf was wartest du?
Frag dich das einmal und schreibe alles auf, egal wie banal es erscheint.
Erkenne, auf welche Menschen du wartest, auf welche Situationen oder Veränderungen, welche Zeichen, welchen Kontostand, welche Reise oder welches Event, und schau dir gleichzeitig an, welche Alternativen du vielleicht selbst in der Hand hast, um aus der Warteposition zu verschwinden.

Warteposition

Warte nicht mehr – beginne zu übersetzen, was auf dem Ticket deines Lebens steht, und löse es ein. Nicole Wenk

Du orientierst dich stärker an anderen als an dir

Im Volksmund nennt man solche Menschen auch People Pleaser. Menschen, die es allen irgendwie recht machen wollen und sich selbst dabei zurücknehmen, kleiner machen, ihre Meinung verstecken, ihre eigenen Bedürfnisse nicht kennen und anderen dadurch auch die Führung überlassen. Menschen, die keine Grenzen setzen, weil sie lieber gefallen möchten, als anzuecken.

Man ist damit beschäftigt, sich bewusst oder unbewusst Fragen zu stellen wie: Was wollen die anderen?
Was erwarten die anderen?
Was finden die anderen gut?
Wo ecke ich bloß nicht an?
Wo falle ich nicht auf?

Wenn wir uns dauerhaft nur an anderen orientieren, lassen wir unseren eigenen Willen und unsere eigene Tatkraft immer kleiner werden. Selbstwert und Selbstvertrauen sind wichtige Kompasszeiger für die eigene Ausrichtung und die eigene Meinung.

Übung: Wo orientierst du dich noch zu stark im Außen? Wo übergehst du deinen eigenen Willen und deine eigene Orientierung?

Du brauchst öfters Bestätigung von aussen, um dich gut zu fühlen

Es ist vollkommen menschlich, dass wir von anderen gesehen werden wollen, Anerkennung möchten, gemocht und bestätigt werden wollen. Gleichzeitig ist es genauso menschlich, dass man nicht jeden mag, dass man auch einmal mit sich selbst beschäftigt ist und andere dadurch übersieht oder dass man anderer Meinung ist.

Dieses Wechselspiel zwischen „Ich will gemocht werden“ und gleichzeitig „Ich möchte meine eigene Meinung haben“ kann ganz schön anstrengend werden. Vor allem dann, wenn man sich nicht gut genug fühlt und ständig Angst hat, abgelehnt zu werden. Das kann einen wirklich kirre machen, oder?

Übung: Du brauchst öfters Bestätigung von aussen, um dich gut zu fühlen

Frag dich, von wem du Bestätigung suchst. Warum suchst du danach und wie könntest du dir diese Bestätigung vielleicht selbst geben? Wie oft willst du von anderen „Applaus“ haben? Wo kannst du dir selbst applaudieren, ohne dass jemand es bestätigt?

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Du bist ständig am Funktionieren und Leisten

Wir sind eine Leistungsgesellschaft und daran ist auch nicht unbedingt etwas Negatives zu sehen, allerdings hat es auch entsprechende negative Aspekte. Nur wenn man leistet, etwas erschafft und es gesellschaftlich zu etwas gebracht hat, bekommt man Anerkennung und Lob. Das ist etwas tief Verankertes, aber vielleicht dürfen wir uns auch folgende Fragen stellen:

Ist das wirklich so?
Wer definiert was „Leistung“ ist?
Muss man sich völlig dabei ignorieren um zu leisten?
Leistet man für sich selbst oder für andere?

Ich persönlich bin ein Mensch, der gerne macht und tut, neue Projekte beginnt und gerne beschäftigt ist, etwas erschafft und gerne hilft. Immer irgendwie beschäftigt ist und auch sein muss – das hatte ich über den CliftonStrengths Test vor einigen Jahren herausgefunden. Es ist eine Stärke von mir. Was aber nicht heisst, dass andere auch so sind oder bei Menschen mit dieser Stärke mithalten müssen.

Mir macht es grundsätzlich nichts aus zu leisten. Allerdings hat es mir irgendwann etwas ausgemacht, wenn es keinen Spaß mehr gemacht hat, wenn mir ein Ja abverlangt wurde, obwohl ich innerlich Nein gedacht habe. Oder wenn ich nur noch reagiert habe, anstatt meine Energie auch einmal in mich selbst zu investieren.

Übung: Du bist ständig am Funktionieren und Leisten

Erschaffe Raum zwischen Reiz und Reaktion.
– Sobald dich etwas reizt, ein Impuls kommt oder du sofort reagieren möchtest, halte einmal kurz inne und zähle bis drei, bevor du in die Reaktion gehst.
– Nimm bewusst wahr, was deine erste Reaktion ist und ob es vielleicht eine Alternative gibt.
Es geht auch darum zu erkennen, wie schnell wir manchmal reagieren, obwohl eine Antwort auch einmal warten kann bzw. eine Reaktion und damit auch uns bewusst eine Art Pause erschaffen inkl. auch einem kleinen Gefühl von Kontrolle.

Du fühlst dich leer, traurig oder unerfüllt

Vielleicht gibt es einen Grund oder mehrere Gründe dafür. Vielleicht erkennst du aber auch keinen direkten Grund. Gefühle wie Leere, Traurigkeit, Unerfülltheit oder Langeweile wollen wir meistens nicht fühlen, oder? Also versuchen wir, sie irgendwie zu bedienen. Vielleicht mit viel Zeit am Handy, viel Fernsehen, Shoppen oder anderen Ablenkungen.

Kurzfristig funktioniert das super. Langfristig können solche Ablenkungen aber auch dazu führen, dass wir uns von den inneren, tiefen Wahrheiten ablenken, die uns vielleicht etwas zuflüstern wollen. Die verrückten Ideen, die plötzlich auftauchen, die wir uns selbst wieder ausreden, weil wir gelernt haben, dass man anständig sein, etwas lernen und gesellschaftlich akzeptiert sein sollte. Ständige Anpassung kann dazu führen, dass wir unseren Zugang zu uns selbst wie in ein Vakuum packen. Gefühle können ein Hinweis darauf sein.

Linda Giese hat neulich in ihrem Video über eine ähnliche Thematik gesprochen:
Innere Leere: Das MISSVERSTANDENSTE Symptom deines spirituellen Erwachens.

Übung: Nimm bewusst die Gefühle wahr, die du gerade versuchst zu „befüllen“. Selbstwahrnehmung finde ich neben der Selbstkommunikation fast schon eine der wichtigsten Fähigkeiten, die wir in unserer wilden digitalen Welt wieder verstärken und nutzen dürfen.

Hinweis: Tiefe und starke Gefühle wie anhaltende Traurigkeit, Ängste, Sorgen usw. dürfen und sollten gegebenenfalls durch eine Fachperson begleitet werden. Dafür muss man sich niemals schämen. Eine Anlaufstelle ist z.B. https://www.telefonseelsorge.de/

Deine Beziehungen fühlen sich nicht mehr tief an

Personen, Freunde und das soziale Umfeld fühlen sich plötzlich nicht mehr „zeitgemäß“ an. Früher hat man gerne zusammen gelacht, erzählt, sich ausgetauscht und etwas unternommen und plötzlich merkt man, dass sich die Wellenlänge verändert hat. Andere Menschen sind plötzlich anstrengend, Gespräche fühlen sich oberflächlich an und Marotten oder Macken kann man nicht mehr so leicht übersehen.

Wir Menschen sind soziale Wesen und das kann wirklich unangenehm sein, wenn man plötzlich merkt, dass Tiefe fehlt und man sich mit bestimmten Menschen nicht mehr auf die gleiche Art und Weise verbinden kann. Und manchmal ist es unangenehm zu erkennen, dass eine Beziehung nicht mehr die gleiche Tiefe hat. Dabei geht es nicht um Schuld und auch nicht darum, dass der andere oder man selbst etwas falsch macht. Wir Menschen verändern uns, jeder hat sein eigenes Tempo und unterschiedliche Interessen.

Wenn man beginnt, seiner inneren Stimme mehr Gewicht zu geben, statt sie wie ein leichtes Lüftchen zu ignorieren, wird die eigene Beziehung zu sich selbst gerade wichtiger. Das heißt nicht, dass man Beziehungen beenden muss. Es bedeutet auch, zuzulassen, dass Beziehungen sich verändern dürfen.

Du hast ständig den Wunsch, irgendwo anders zu sein

Die bereits erwähnten Ablenkungen im Leben können auch eine unbewusste und fast schon gewollte Reaktion darauf sein – eine Art Flucht. Ich persönlich hatte irgendwann immer mehr das Gefühl von Flucht – ich wollte raus aus dem Status Quo, ich musste ständig auf Achse sein und verreisen. Man hält die gegenwärtige Situation nicht aus – und das kann wirklich körperlich ein Antrieb werden, aber auch mental in den verschiedensten Formen.

Übung: Raus aus dem Kopf und rein in den Körper. Bewegung ist immer gut. Mach einmal einen Wochenendtrip, geh wandern, nimm einen anderen Weg oder fahre einmal bewusst woanders hin. Besuche einen anderen Supermarkt. Mach einfach etwas anders, wenn der innere Fluchtdruck stark wird.

Dann kommt die spannende Frage: Will ich wirklich woanders hin oder möchte ich eigentlich wieder bei mir ankommen?

Entscheidungen werden unglaublich anstrengend

Auch wenn man es oft übersieht, an Möglichkeiten mangelt es uns eigentlich nicht wirklich, oder? Oft entscheiden wir uns am liebsten für die einfachsten Lösungen und damit für weniger Anstrengung. Bei größeren oder komplexeren Entscheidungen bevorzugen wir manchmal eher das Meckern, Schuldzuweisungen, Fingerpointing und all die Wenns und Abers, inklusive des Satzes „Ach, ich weiß nicht“ oder „Alles gut“. Und das kenne ich auch sehr gut.

Je älter wir werden, desto mehr Erfahrungen machen wir im Leben. Wenn es darum geht, uns oder etwas zu verändern, kommen dadurch auch immer mehr Abwägungen hinzu. Entscheidungen werden schwieriger, weil Angst und Sorgen dazukommen und wir vielleicht auch Sicherheiten verlieren könnten. Gleichzeitig greifen wir auf unsere inneren „Referenzen“ zurück: Erfahrungen, Erlebnisse und Bezugspunkte, die wir im Laufe unseres Lebens gesammelt haben. Sie können uns innerlich warnen, zurückhalten oder uns in eine bestimmte Richtung lenken. Dadurch entstehen fast schon offene Loops im Kopf, weil wir ständig abwägen und uns manchmal gar nicht bewusst entscheiden, sondern nur noch mit dem Überlegen beschäftigt sind. Das kostet Energie, was uns nicht immer bewusst ist.

Übung: Entscheidungen werden unglaublich anstrengend

Wenn du vor einer Entscheidung oder einer Wahl stehst, kannst du einmal ganz bewusst beobachten, was in dir passiert.
Frag dich: Ist es ein Ja oder ein Nein?
Und wenn du bei „Ich weiß nicht“ landest, welche Tendenz gibt es?
Was spricht innerlich wohin – also eher zu ja oder nein?
Und ist „Ich weiß es nicht“ wirklich wahr?

Mein Wendepunkt: Ich begann zu suchen

Wenn man solche Dinge bei sich bemerkt, die einen vielleicht stärker und andere weniger stark betreffen, ist das zunächst keine besonders schöne Erkenntnis und auch eine, die man nicht sofort voller Begeisterung angehen möchte. In meinem Fall war es ein ganz langsamer Wendepunkt, der begann, sich einzuleiten. Meine innere Ordnung war noch Chaos, aber sie wollte sich langsam einstellen. Es entstand etwas Neues, eine innere Ordnung, aus der heraus ich später auch Veränderungen im Außen erschaffen konnte.

Nur wusste ich damals nicht, was mit mir los war. Was ich aber erkannte, war, dass ich einen anderen Blickwinkel benötigte. Menschen aus meinem näheren Umfeld hörten mir zu, aber viele kamen zu dem Schluss: Das haben wir alle mal, das geht vorbei. Mein Gefühl, mich selbst nicht zu verstehen, wurde dadurch noch stärker. Gleichzeitig wurde aber etwas in mir lauter: Ich kann das so nicht stehen lassen, sonst bleibe ich wirklich stehen.

Ich ging auf die Suche nach einem Coach in meiner Nähe und fand jemanden. Ich schrieb ihr, aber es kam nichts zurück. Keine Antwort. Und ich bemerkte für mich: Ich wartete wieder auf jemanden, der mir die Richtung zeigt. Und irgendwann musste ich anfangen, selbst zu suchen.

Also begann ich mit Selbsthilfe. Wie bei vielen Menschen, mit denen ich spreche, kann das ein Einstieg sein, der aber auch in einer Neverending Story landen kann. Trotzdem spricht überhaupt nichts dagegen, sich mit neuen Informationen zu beschäftigen, die einen gedanklich anders beschäftigen. Die Quellen dafür sind schier unendlich: Bücher, YouTube, Instagram, Online-Webinare, Online-Events, Offline-Events, Kurse zu den verschiedensten Themen, berufliche Weiterbildungen und neue Hobbys.

Gleichzeitig begann ich, Dinge zu reduzieren und Gewohnheiten zu verändern, die mir nicht guttaten. Ich reduzierte Berieselung und verbrachte mehr Zeit mit mir selbst. Ich beschäftigte mich mit mir und begann aktiv wahrzunehmen, wie sich Aha-Momente langsam im Inneren und später auch im Außen zeigten.

Was ich damals noch nicht ganz verstanden hatte: Es gab keine Instant Lösung

Man kann die verschiedensten Tools, Methoden und Tests ausprobieren. Auch in spiritueller oder energetischer Hinsicht, wie Human Design, Astrologie, Trance oder Aurareadings. Jedes einzelne davon kann ein Einstieg sein, um sich zu sortieren, etwas auszuprobieren, sich selbst zu beobachten oder andere Informationen zu bekommen, andere Fragen zu erhalten und in erster Linie sich selbst zu verstehen.

Aber man wird selten die eine Instant-Lösung für sich finden. Denn was dabei passiert, ist, dass ein Prozess gestartet wird, mit jedem einzelnen neuen Gedanken und auch den daraus resultierenden Handlungen. Und so komplex wir Menschen nun einmal sind, wird es eine einfache Lösung selten geben, ohne dass man sich vorher auf diesen Prozess einlässt, geduldig wird, seine Runden um unangenehme Themen dreht und sie irgendwann abschließt. Es ist immer ein individueller Prozess.

Das bedeutet natürlich nicht, dass sich sofort alles spürbar verändert. Aber schon die kleinsten Nuancen, in denen man etwas anders macht, können etwas sehr Wertvolles in Bewegung bringen: die Verbindung zu dir selbst zu stärken und Dinge loszulassen.

Und auch wenn ich meinen Informationsgehalt damals wirklich extrem gestretcht und sehr viel Neues aufgesaugt habe wie ein Schwamm, war es am Ende nicht das Wissen, das mir die innerlichen Umwälzungen gab. Es war das Umsetzen und das Wahrnehmen, was es mit mir machte.

Rückblickend haben mir dabei viele einzelne Dinge geholfen – nicht ausschließlich das eine: ein Dankbarkeitstagebuch, eine Morgenroutine mit Schreiben und Podcasts, Affirmationen und Afformationen, andere Perspektiven einzunehmen und auch einmal ein Reframing zu machen, mich mit Glaubenssätzen und Vergebungsprozessen zu beschäftigen, andere Fragen zu stellen und eine Abendroutine zu entwickeln, bei der das Handy früher weggelegt wurde.

Selbstkommunikation, Selbstwahrnehmung und Selbstfürsorge, das sind für mich wichtige Einstiegspunkte, wenn man das Gefühl hat, sich selbst irgendwie verloren zu haben. Daraus sind für mich auch einige wichtige Erkenntnisse entstanden:

Nicht alles löst sich im Kopf.

Erkenntnis ist nicht Veränderung.

Verstehen ist nicht Fühlen.

Wissen ist nicht Verkörperung.

Es ist ein Prozess und kein Ergebnis.

Wir sind sehr stark über unseren Kopf geprägt, aber wirkliche Veränderung ist immer auch mit Gefühlen verbunden und diese wiederum mit dem Körper. Und wenn man den Zugang zu sich selbst wieder stärker spüren möchte, kann man das Fühlen und auch das Handeln niemals ausschließen. Handeln bedeutet dabei nicht automatisch, noch mehr zu tun. Es kann auch bedeuten, etwas anders zu machen oder einmal nichts zu tun, in Ruhe und Stille mit sich selbst zu sein.

Von der äußeren Ordnung zur inneren Ordnung

Es ist nicht zu übersehen, dass sich die Welt gerade verändert. Es passieren Dinge, die uns manchmal wirklich an der Menschheit zweifeln lassen. Wir haben mittlerweile 2026 und sind ständig mit der Welt vernetzt, überall und zu jeder Zeit. Entertainment hat sich auf die verschiedensten Kanäle verlagert und gleichzeitig befinden wir uns in einer Zeit des digitalen Wandels.

Dabei vergessen wir fast, dass wir Menschen sind. Und genau deshalb ist es so wichtig, wenn wir wieder zu uns selbst finden wollen, dass wir uns anschauen, was eigentlich unsere äußere Ordnung ausmacht und wie sie uns beeinflusst, ob gewollt oder ungewollt.

Denn vielleicht dürfen wir von dort aus langsam in eine innere Ordnung eintreten und uns ganz andere Fragen stellen.

Äußere Ordnung

Job, Geld, Wohnung, Beziehungen, Status, Erwartungen, Routinen, „Was man eben so macht“, Ziele, die vielleicht gar nicht die eigenen sind und natürlich auch das Funktionieren.

Innere Ordnung

Was ist mir wichtig? Was fühle ich? Was brauche ich? Was möchte ich? Was möchte ich nicht mehr? Welche Werte habe ich? Wo liegen meine Grenzen? Was fühlt sich für mich stimmig an? Welche Richtung möchte ich einschlagen?

Wenn die äußere Ordnung nicht mehr funktioniert, versuchen wir oft, noch mehr im Außen zu verändern. Vielleicht braucht es aber zunächst eine innere Inventur, ein inneres Erkennen dessen, was gerade wirklich wichtig ist, um von dort aus etwas im Außen verändern zu können.

Lust auf deinen Einstieg zu deiner inneren Ordnung?

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Ich freue mich immer wieder über einen Austausch – gerne in den Kommentaren, gerne auch direkt für einen virtuellen Plausch?

Liebe Grüsse,
Nicole

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