Selbstwert: Wie du deinen inneren Wert entdeckst und lebst
Wie definierst du deinen Selbstwert? Diese Frage begleitet uns ein Leben lang – oft unbewusst, manchmal schmerzhaft bewusst. Wir Menschen entwickeln uns in Zyklen: als Kind, als Jugendlicher, als Erwachsener, durch Beziehungen, Beruf, Hobbys, Talente und Interessen. Mit jeder Erfahrung, jedem Rückschlag und jedem Erfolg wird unser Bild von uns selbst komplexer. Manchmal so komplex, dass es undurchsichtig wirkt.
Doch gerade in Momenten, in denen wir an uns zweifeln – wenn Gedanken und Gefühle wie ein wildes Pingpong-Spiel in uns hin- und herpringen –, liegt eine Chance: die Chance, uns selbst tiefer zu erkennen. Denn genau dann, wenn wir uns klein fühlen, wenn wir uns fragen, ob wir gut genug sind, können wir lernen, uns neu zu entdecken.
Selbstwert als Richtlinie im Leben
Warum gibt es Menschen, die strahlen, als würden sie ihren eigenen Wert in jedem Moment bestätigen? Menschen, die selbstbewusst durchs Leben gehen, als wäre ihr Selbstwert unerschütterlich. Und warum gibt es gleichzeitig Menschen, die sich selbst kleinmachen – fast so, als würden sie ihren Wert bewusst minimieren?
Die Antwort liegt in unserer Prägung, in den Bewertungen, die wir im Laufe unseres Lebens erhalten und verinnerlichen. Manche Menschen orientieren sich stark an äußeren Maßstäben. Sie übernehmen ungefiltert die Werte, die ihnen vermittelt werden – sei es durch Familie, Gesellschaft oder Medien. Doch irgendwann kommt der Punkt, an dem auch sie anfangen, diese Werte zu hinterfragen.
Ich habe im Laufe der Jahre eine interessante Beobachtung gemacht: Wir zweifeln vieles nicht an, was uns vorgelebt wird – bis uns ein Erlebnis trifft, das uns zum Nachdenken bringt.
Eine prägende Begegnung: Die Reise in die Karibik
Vor einigen Jahren war ich mit einer Bekannten auf einer Rundreise durch die Karibik. Diese Reise sollte unvergesslich werden – nicht nur wegen der atemberaubenden Landschaften und Kulturen, sondern wegen einer Begegnung, die mich bis heute tief berührt.
Meine Begleiterin war eine extrovertierte Person. Sie hatte die Gabe, Menschen um sich zu scharen, sie zu unterhalten und wie eine natürliche Anführerin zu agieren. Im Laufe der Reise kam ich mir neben ihr immer kleiner vor – wie ein Anhängsel, das kaum wahrgenommen wurde. Ich erinnere mich an einen Abend, an dem wir mit einer Gruppe beim Essen saßen. Sie redete ohne Pause, regte sich über dies und das auf und stupste mich irgendwann an: „Sag doch auch mal was!“ Ich öffnete den Mund – doch sie redete einfach weiter.
Als sie kurz weg war, fragte mich jemand am Tisch: „Warum bist du so ruhig?“ Meine Antwort: „Wie soll ich etwas sagen, wenn sie die ganze Zeit redet?“ Er hatte keine Antwort darauf. Ich bin von Natur aus introvertiert. Ich beobachte, höre zu und muss mich nicht ständig in den Mittelpunkt stellen. Doch in diesem Moment spürte ich etwas in mir: ein Gefühl von Unsichtbarkeit, von Nicht-Wahrgenommen-Werden.
Während meine Begleiterin sich mit anderen unterhielt oder sich über Kleinigkeiten beschwerte, saß ich oft mit meinen Büchern da – etwa mit „Urban Monk“ – und beschäftigte mich mental mit Themen, die mich wirklich interessierten.
Die Begegnung, die alles veränderte
Am letzten Tag der Reise, nur wenige Stunden vor der Abreise, ging ich noch einmal an Deck. Das Schiff war voll, viele genossen die letzten Momente vor dem Ablegen. Ich lief an einer älteren Dame vorbei, die zwischen anderen Menschen etwas gequetscht saß. Ich lächelte sie an und ging weiter, bis ich einen freien Stuhl fand, um mich auszuruhen.
Doch dann kam sie zu mir und begann ein Gespräch. Sie war über 70 Jahre alt und reiste mit ihrer Tochter. Sie erzählte mir von ihrem verstorbenen Mann und ihrem neuen Freund, der sie auf Händen trug. Ein Tag zuvor hatte ihre Tochter – ermutigt durch den Kapitän – das Schiffshorn auf hoher See bedient. „Witzig, oder?“ fragte sie mich. Als wir uns verabschiedeten, nahm sie mich in den Arm und sagte: „Du bist ein wundervoller Mensch. Es hat mir so viel Spaß gemacht, mit dir zu reden. Du kannst so gut zuhören – und ich bin sicher, du wirst den richtigen Partner in dein Leben ziehen und deinen Weg gehen.“
In diesem Moment war ich den Tränen nah. Diese Frau, eine Fremde, gab mir das Gefühl, genau so, wie ich bin, richtig zu sein. Diese Begegnung zeigte mir: Selbstwert kann durch andere bestätigt werden – aber die Frage ist, inwieweit wir zulassen, dass jemand anderes ihn für uns definiert.

* KI-generiertes Bild
Selbstwert ist immer da – aber wie nutzen wir ihn?
Diese Erfahrung war ein Wendepunkt für mich. Sie brachte mich dazu, mich noch intensiver mit mir selbst auseinanderzusetzen. Denn eines wurde mir klar: Selbstwert haben wir immer. Aber wie gehen wir damit um?
Manche Menschen nutzen Strategien, die auf den ersten Blick funktionieren – etwa andere kleinzureden oder zu lästern, um den eigenen Wert künstlich zu erhöhen. Das ist eine Bewältigungsstrategie, die kurzfristig hilft. Doch langfristig führt sie nur zu einem schlechten Gewissen und einem Teufelskreis aus Selbstzweifeln.
Die Frage, die alles verändert: „Was für ein Mensch tut das?“
Im Kontext von Selbstwert: Warum machen wir – bewusst oder unbewusst – andere kleiner, um uns selbst größer zu fühlen? Kurzfristig mag es ein gutes Gefühl geben. Doch langfristig verletzen wir damit nicht nur andere, sondern auch uns selbst.
Selbstwert ist kein Nullsummenspiel. Wenn ich mich auf Kosten anderer aufwerte, verliere ich am Ende mehr, als ich gewinne.
Selbstwert definieren: Ehrlichkeit und Selbstverantwortung
Aus meiner Erfahrung gibt es einen Weg, der unumgänglich ist, wenn es um Selbstwert geht: radikale Ehrlichkeit mit sich selbst und die Bereitschaft, Selbstverantwortung zu übernehmen.
Ich musste in den letzten Jahren einige unangenehme Wahrheiten über mich selbst eingestehen – etwa, wie ich andere abgewertet habe, um mich selbst aufzuwerten. Das war oft unbewusst, ein Mechanismus, um mich in Momenten, in denen ich mich selbst im „Minusbereich“ sah, wieder aufzurichten. Doch dieser Mechanismus hielt nie lange an. Stattdessen erzeugte er nur ein schlechtes Gewissen, das ich dann wieder zu ignorieren versuchte.
Die drei Säulen des Selbstwerts: Das innere Klima
In den letzten Jahren habe ich mich intensiv mit persönlicher Entwicklung beschäftigt. Dabei habe ich drei zentrale Punkte identifiziert, die für mich die Grundlage für einen gesunden Selbstwert und positivere Selbstbeziehung bilden:
- Selbstkommunikation: Wie spreche ich mit mir selbst? Bin ich gütig oder hart? Erlaube ich mir, Fehler zu machen?
- Selbstwahrnehmung: Wie nehme ich mich selbst wahr? Was denke und fühle ich über mich?
- Selbstfürsorge: Wie behandle ich mich? Gebe ich mir, was ich brauche – physisch, emotional, mental? Was nehme ich zu mir an Informationen, Menschen, Nahrung usw.?
Diese drei Säulen nenne ich mein inneres Klima. Denn genau wie das äußere Klima unser Wohlbefinden beeinflusst, bestimmt das innere Klima, wie wir uns fühlen und wie wir mit uns selbst umgehen. Ich habe daraus auch ein kleines Tool erschaffen, womit man sich genau mit diesen drei Säulen jeden Tag bewusst beschäftigen kann. Gerne HIER kostenfrei herunterladen.
Die drei Säulen: Selbstkommunikation, Selbstwahrnehmung, Selbstfürsorge
1. Selbstkommunikation: Der Dialog mit dir selbst
Unsere innere Stimme ist oft unser strengster Kritiker. Doch was, wenn wir lernen, mit uns selbst so zu sprechen, wie wir mit einem guten Freund sprechen würden? Selbstmitgefühl ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Studien zeigen, dass Menschen, die sich selbst mitfühlend behandeln, widerstandsfähiger und zufriedener sind.
Frage dich:
- Wie sprichst du mit dir selbst, wenn du einen Fehler machst?
- Würdest du zu einem Freund das Gleiche sagen, was du zu dir selbst sagst?
2. Selbstwahrnehmung: Der Spiegel deiner Gedanken und Gefühle
Selbstwahrnehmung bedeutet, bewusst zu beobachten, was in uns vorgeht – ohne sofort zu bewerten. Es geht darum, Gedanken und Gefühle zu trennen und zu erkennen, wie sie unser Handeln beeinflussen.
Übung:
- Nimm dir täglich 5 Minuten Zeit, um in dich hineinzuhorchen.
- Frage dich: „Was denke ich gerade? Was fühle ich?“ und beobachte, ohne zu urteilen.
3. Selbstfürsorge: Die Kunst, für sich selbst da zu sein
Selbstfürsorge ist mehr als nur ein Bad nehmen oder sich eine Auszeit gönnen. Es geht darum, deine Bedürfnisse ernst zu nehmen – ob physisch, emotional oder mental.
Frage dich:
- Was brauche ich heute, um mich gut zu fühlen?
- Wie kann ich meine Energie aufladen?
Praktische Übung: Selbstwert auf der Skala
Ich bin ein großer Fan davon, mit einer Ist-Analyse zu beginnen – sei es im Beruf oder im persönlichen Wachstum, wenn man merkt man hängt fest. Wenn du deinen Selbstwert verbessern möchtest, starte mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme.
Schritt 1: Wo stehst du?
- Bewerte deinen Selbstwert auf einer Skala von 1 bis 10.
- Wichtig: Es geht um deine subjektive Wahrnehmung.
Schritt 2: Warum dieser Wert?
- Frage dich: „Warum habe ich mir diese Zahl gegeben?“ Schreibe alle Gründe auf, die dir einfallen.
Schritt 3: Beweise hinterfragen
- Frage: „Welche Beweise habe ich dafür, dass dieser Wert stimmt?“ Seien es positive oder negative Überzeugungen.
- Gegenfrage: „Welche Beweise gibt es, dass dieser Wert nicht stimmt?“
Schritt 4: Was brauchst du, um einen Punkt höher zu kommen?
- Überlege: „Was müsste passieren, damit ich mir eine 6 statt einer 5 gebe?“ oder „Was fehlt mir, um mich eine Stufe weiterzuentwickeln?“
Diese Übung hilft dir, Muster zu erkennen und gezielt an deinen Überzeugungen zu arbeiten.
Selbstwert und die Bewertung anderer
Wir alle bewerten – oft unbewusst. Wir ordnen Menschen ein, um die Welt um uns herum zu verstehen. Doch dabei passiert es schnell, dass wir andere abwerten, um uns selbst aufzuwerten.
Eine Beobachtung im Supermarkt
Ich erinnere mich an eine Situation im Supermarkt: Eine Frau drängelte sich vor, um ihren Kohl zurückzugeben. Offensichtlich hatte es eine falsche Abrechnung gegeben. Sie begann, sich beim Kassierer zu beschweren, machte ihn vor seinen Kollegen schlecht und fragte, ob er nicht der Chef sei und „ein Machtwort“ sprechen könne. Ich beobachtete das Ganze neugierig.
Doch als ich später draußen stand, sah ich, wie dieselbe Frau eine andere massiv bedrohte. Ihre Tochter warnte sie noch, sie sollten aufpassen, weil sie einer bestimmten Ethnie angehörten. Plötzlich begann mein Kopf, diese Frau einzuordnen – und ich bemerkte, wie schnell wir dazu neigen, andere zu bewerten, um uns selbst zu positionieren.
Die Gefahr der Abwertung
Wenn wir andere abwerten, um uns selbst besser zu fühlen, gehen wir einen gefährlichen Weg. Denn Selbstwert, der auf der Abwertung anderer basiert, ist wie ein Haus aus Sand. Er hält keinem Sturm stand.
Ein Experiment: Jeder Mensch ist eine 10
Neulich las ich in einem Buch einer agilen Coachin einen Satz, der mich zum Nachdenken brachte: „Jeder Mensch ist erstmal eine 10.“ Diese Aussage stammt aus den „10 Regeln eines Coaches im agilen Bereich“.
Ich beschloss, ein Experiment zu wagen: Was passiert, wenn ich jeden Menschen, dem ich begegne, innerlich als „10“ bewerten würde?
Das Ergebnis war erstaunlich. Plötzlich sah ich Menschen nicht mehr durch die Linse meiner eigenen Unsicherheiten, sondern mit einer grundlegenden Wertschätzung. Probier es aus! Es könnte dein Leben verändern.
Fazit: Selbstwert als lebenslanger Prozess
Selbstwert ist kein fester Zustand, sondern ein lebenslanger Prozess. Es gibt Momente, in denen er angekratzt wird – und Momente, in denen wir ihn auf Kosten anderer zu erhöhen versuchen. Doch wir haben immer die Wahl: Wir können uns entscheiden, es beim nächsten Mal anders zu machen.
Hinterfrage deine Gedanken. Beobachte deine Gefühle. Und vor allem: Sei gütig zu dir selbst.
Wenn du Lust hast, noch mehr über dich zu erfahren, lade ich dich herzlich ein, meinen kostenlosen Test „Was brauchst du gerade?“ auszuprobieren. Dort beantwortest du ein paar Fragen und erhältst ein von mir erstelltes Tool als PDF zum Download.
Ich freue mich riesig, von dir in den Kommentaren zu lesen oder mich mit dir auszutauschen – sei es per E-Mail, Video-Call oder live in der Region Mannheim bei einem Walk & Talk.
Liebe Grüße Nicole
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