22 Rituale und Bräuche für die Zeit zwischen den Jahren: von Rauhnächten bis Weltbräuchen
Kennst du das Gefühl, dass die Tage zwischen den Jahren eigentlich viel mehr Potenzial haben, als wir ihnen meistens zugestehen? Ich habe in einem weiteren Beitrag über die Sperr- und Rauhnächte schon geschrieben, wie viel Ruhe und Klarheit in dieser Zeit stecken kann, ob man sie nun eher traditionell betrachtet oder eher modern.
Während ich für den vorangegangenen Beitrag recherchiert habe, bin ich über so viele schöne, teils skurrile, teils sehr berührende Bräuche aus anderen Ländern gestolpert, die ich gerne in diesem Beitrag aufgreifen und teilen möchte. Manche davon kannte ich selbst noch nicht, aber das eine oder andere muss ich jetzt wirklich mal ausprobieren. In diesem Beitrag habe ich Rituale aus den Rauhnächten und eine bunte Sammlung an Bräuchen aus aller Welt für dich zusammengefasst.
Du musst natürlich nicht alle 22 ausprobieren. Pick dir einfach das raus, was dich anspricht, was neugierig macht oder worüber du einfach schmunzeln musst, und lass mir gerne einen Kommentar da, was du für dich mitnimmst.
Deine Rauhnächte: Rituale für Reflexion und Neuausrichtung
Die Rauhnächte finden jedes Jahr vom 24.12. bis zum 6.1. statt. In dieser Zeit gibt es das eine oder andere, was du gerne nutzen kannst, um auf dein vergangenes Jahr zurückzublicken, vielleicht einiges mental nochmal zu lockern oder gehen zu lassen. Gleichzeitig lässt sie uns auch auf das Neue einstimmen und vielleicht mal größere Ziele erschaffen.
1. Jahresrückblick schreiben
Ob frei drauflos geschrieben oder mit gezielten Fragen, jeden Tag einen Monat des vergangenen Jahres zu reflektieren, ist eine der einfachsten und gleichzeitig wirkungsvollsten Übungen, die ich kenne. Du brauchst dafür nur ein wenig Zeit und ein Stück Papier oder ein schönes Notizbuch.
Nimm dir jeden Tag ab dem 24.12. einen Monat vor und stell dir gerne Fragen wie:
Wem bin ich begegnet?
Was war besonders wichtig?
Was war gut?
Was habe ich gelernt?
2. Der Abschiedsbrief an dein altes Jahres-Ich
Schreibe einen liebevollen Brief an die Version von dir, die dieses Jahr durchlebt und erlebt hat. Sie hat alles gegeben, was sie in dem Moment geben konnte, und so viel gelernt. Nutze diesen Brief als eine kleine Umarmung an dich selbst. Danke dir für die Zeit, für das, was du gelernt, erschaffen, erarbeitet und vielleicht auch überstanden hast. Wenn du möchtest, leg ihn dir ab und sammle ihn über die Jahre, und öffne ihn vielleicht in fünf oder zehn Jahren, um zu sehen, wie du dich entwickelt hast.
3. Der Brief an dein zukünftiges Ich
Schreib auf, was du im neuen Jahr erleben möchtest, hebe den Brief auf und lies ihn dir ein Jahr später, wieder in den Rauhnächten, durch. Schreib etwas Motivierendes, Inspirierendes, etwas, das du dir wünschst, dass deine zukünftige Version in einem Jahr darauf zurückblicken kann. Ich mache das seit Jahren, und es überrascht mich jedes Mal, wie viel sich tatsächlich bewegt hat.
4. Loslass-Ritual: aufschreiben und verbrennen
Groll, Sorgen, Ängste oder alte Geschichten aufschreiben und symbolisch in einer feuerfesten Schale verbrennen. Das klingt vielleicht erstmal banal, fühlt sich aber überraschend befreiend an, wenn man sich vorstellt, wie es sich buchstäblich in Rauch auflöst.
5. Räuchern zur energetischen Reinigung
Mit Salbei, Weihrauch oder Wacholder die Räume reinigen und danach kräftig lüften. Räuchern riecht nicht nur gut, vorausgesetzt man mag es, sondern wirkt tatsächlich auch auf die Raumluft. Ich schaue den Rauchschwaden dabei immer gerne zu, wenn sie nach draußen ziehen und den alten Muff mitnehmen.
Neben dem Räuchern mit verschiedenen Kräutern kannst du auch Räucherstäbchen verwenden oder einfach Duftöl oder Duftkerzen, ganz wie du magst. Da gibt es kein Richtig oder Falsch, sondern nur dein eigenes Empfinden.
6. Traumtagebuch in den Rauhnächten
Der Überlieferung nach steht jede der zwölf Nächte für einen Monat des kommenden Jahres. Leg dir ein kleines Buch neben das Bett und schreib direkt nach dem Aufwachen auf, was noch hängen geblieben ist. Träume tragen manchmal viel Wahrheit oder Vorahnung in sich. Manchmal sind sie sehr eindeutig, manchmal zu abstrakt, aber das Aufschreiben kann dabei unterstützen, sie noch besser wirken zu lassen.
7. Orakelkarten für die zwölf Monate
Ziehe eine Karte pro Monat oder eine Tageskarte für jeden Rauhnachtstag. Ich mag Karten sehr gerne, sie bieten mir oft einen schönen Abschluss für den Tag oder Start in den Tag, vor allem in der Zeit zwischen den Jahren.
Mittlerweile gibt es so schöne Kartensets:
Buch7
Thalia
Amazon
8. Vision Board erstellen
Wünsche und Ziele in Bildern sichtbar machen, ganz klassisch mit Schere und Zeitschriften oder digital über Canva. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Was du erreichen möchtest, in visueller Form in der Wohnung aufgehängt, kann dich immer wieder daran erinnern.
Ausführliche Anleitung findest du in meinemBlogbeitrag: Mit Visionboards träumen, planen und leben: Dein Guide zur wirkungsvollen Zielcollage
9. Digital Detox
Feste Zeiten offline, das Handy bewusst weglegen, um wirklich bei dir selbst anzukommen. Klein anfangen reicht schon, vielleicht erstmal nur der Abend statt des ganzen Tages. Ich mache das auch gerne mal außerhalb der Rauhnächte, und es tut gut, das digitale Rauschen auszublenden und sich stattdessen analog und offline mit anderen Dingen zu beschäftigen.
10. Stille Spaziergänge in der Dunkelheit
Raus in die Nachbarschaft, tief atmen und dich einfach treiben lassen. Das mache ich selbst sehr gerne, auch wenn es draußen schon dunkel ist, so zwischen den Häusern entlanglaufen und die Beleuchtungen bestaunen. Wenn dir das zu unheimlich ist, nimm dir gerne einfach jemanden mit.
11. Bleigießen oder Wachsgießen
Der Klassiker unter den deutschen Silvesterbräuchen. Seit Blei nicht mehr verkauft werden darf, gibt es mittlerweile Sets mit Wachs, die genauso funktionieren. Man erhitzt ein kleines Stück, gießt es in kaltes Wasser und deutet die entstandene Form als kleinen Ausblick auf das neue Jahr. Eine schöne, spielerische Ergänzung zu den Orakelkarten, und es macht Spaß, zu erraten, was die Form bedeuten könnte.
12. Dankbarkeits-Liste für das alte Jahr
Schreib bewusst zehn oder zwölf Dinge auf, für die du dankbar bist, ganz egal, ob das Jahr insgesamt schwer war oder nicht. Ein schöner Gegenpol zum Loslass-Ritual, weil er nicht nur das Schwere, sondern auch das Gute nochmal sichtbar macht, etwas, das du dir immer wieder ins Gedächtnis und in den Körper zurückrufen kannst.

Bräuche aus aller Welt: Silvester anders feiern
Und jetzt wird es international, wir werfen mal einen Blick rund um den Globus und deren Silvesterbräuche. Manche dieser Bräuche sind uralt, manche wirken auf den ersten Blick fast kurios, aber wenn man genauer hinschaut, steckt in fast allen eine ganz ähnliche Sehnsucht wie in unseren Rauhnächten: loslassen, Glück einladen, Vertrauen und bewusst in ein neues Jahr starten.
13. Rote Unterwäsche tragen
In Spanien, Italien und weiten Teilen Lateinamerikas trägt man in der Silvesternacht gerne rote Unterwäsche, für Glück in der Liebe. In manchen Ländern gilt Gelb übrigens als Farbe fürs Geld. Vielleicht kombiniert man auch einfach beides.
14. Zwölf Weintrauben um Mitternacht
In Spanien isst man zu jedem der zwölf Glockenschläge um Mitternacht eine Weintraube, die „doce uvas de la suerte“. Jede Traube steht für einen glücklichen Monat im neuen Jahr. Ich finde, das passt wunderbar zum Gedanken der zwölf Rauhnächte, nur eben zum Naschen.
In Portugal sind es übrigens zwölf Rosinen.

15. Eine Puppe des alten Jahres verbrennen
In Ecuador und weiten Teilen Lateinamerikas wird zu Silvester der „Año Viejo“ (übersetzt: das alte Jahr) symbolisch verbrannt. In Form einer Puppe, die oft mit Stroh und alten Kleidern gefüllt und liebevoll gestaltet wird. Sie steht für alles, was im alten Jahr zurückbleiben darf, und wird um Mitternacht angezündet. Im Grunde ist das dein Loslass-Ritual von Punkt vier, nur deutlich größer und öffentlicher gefeiert.
16. Einen Platz am Tisch für die Ahnen decken
In Teilen Perus und anderen südamerikanischen Ländern wird an Silvester ein zusätzlicher Platz für verstorbene Angehörige gedeckt. Das erinnert mich sehr an das, was man sich über die Rauhnächte erzählt, dass der Schleier zwischen den Welten in dieser Zeit besonders dünn sein soll. Man nennt diese Zeit auch Schwellenzeit, in der die Verbindung zu unseren Ahnen am deutlichsten zu spüren ist.
17. First Footing – erster Fuss
Dieser Brauch ist das Herzstück des schottischen Silvesterfestes Hogmanay und tief im Volksglauben verwurzelt.In Schottland gilt beim Fest Hogmanay der erste Gast, der nach Mitternacht das Haus betritt, als Glücksbringer für das ganze Jahr. Im Idealfall ist es ein dunkelhaariger Mann der aufjedenfall nicht mit leeren Händen eintreten darf, der Kohle, Brot und Whisky mitbringt, als Symbol für Wärme, Nahrung und Wohlstand.
18. 108 Glockenschläge
In Japan läuten zu Silvester die Tempelglocken genau 108-mal (107 Glockenschläge im alten Jahr und einer nach Mitternacht) , ein Brauch namens *Joya no Kane. Die Zahl steht im Buddhismus für die 108 weltlichen Begierden, die mit jedem Glockenschlag symbolisch losgelassen werden, bevor das neue Jahr beginnt. Eine akustische Variante deines Räucherns, würde ich sagen, und irgendwie schön.
*In dem verlinkten Beitrag wird es sehr gut erklärt wie man auf die 108 kommt.
Anhand von verschiedenen Übersetzungen / Überlieferungen habe ich nach Recherche noch HIER ein pdf gefunden, was die 108 einzelnen Begierden sind.
19. Der Koffer-Sprint
In Kolumbien und Venezuela sorgt dieser Brauch dafür, dass das neue Jahr voller aufregender Reisen und Abenteuer im Ausland wird. Pünktlich um Mitternacht schnappen sich die Menschen einen leeren Koffer und rennen damit einmal um den gesamten Häuserblock.
20. Alles muss rund sein
Auf den Philippinen symbolisiert die runde Form im Volksglauben Münzen und damit finanziellen Wohlstand für das kommende Jahr. Die Menschen kleiden sich in gepunktete Stoffe, dekorieren den Tisch mit exakt zwölf runden Früchten und stecken Münzen in die Taschen, die um Mitternacht geschüttelt werden.

21. Pfannkuchen an die Wand werfen
In ländlichen Teilen Irlands schlägt man am Silvesterabend mit Weihnachtsbrot oder frisch gebackenen Pfannkuchen gegen die Haustür und die Wände. Das laute Klopfen soll böse Geister und Pech aus dem Haus vertreiben und dafür sorgen, dass im kommenden Jahr immer genug Nahrung im Haus ist.
22. Sprung über sieben Wellen
An Stränden wie der Copacabana in Brasilien gehen die Menschen weiß gekleidet ins Meer und springen über sieben aufeinanderfolgende Wellen. Bei jeder Welle darf man sich etwas wünschen. Der Brauch ehrt die Meeresgöttin Yemayá aus der afrobrasilianischen Candomblé-Religion, die im Gegenzug Wege für das neue Jahr ebnen soll.
Weitere Rituale rund um den Erdball findest du auf folgenden Seiten:
https://blog.tuimusement.com/de/silvesterbraeuche-weltweit/
https://www.guenther.de/blog/silvesterbraeuche
https://apostrophgroup.ch/magazin/neujahrsbraeuche-weltweit
Welcher Brauch spricht dich an?
Welchen der 22 Punkte darf dieses Jahr ausprobiert werden? Vielleicht nimmst du dir dieses Jahr einfach zwei oder drei heraus, die dich ansprechen, und lässt den Rest einfach so stehen, für ein anderes Jahr.
Falls du noch gar nicht so genau weißt, was du in dieser Zeit eigentlich brauchst, ob eher Ruhe, eher Klarheit oder eher Feiern, dann schau gerne bei meinem kleinen Jahreswechsel-Modus-Test vorbei. Der hilft dir dabei herauszufinden, welcher Modus gerade zu dir passt, und du bekommst passende Impulse für genau diese Zeit dazu. Und wenn du magst lade Dir meinen kostenfreien Jahreswechsel-Begleiter herunter.
Völlig kostenfrei und unverbindlich!
Ich freu mich riesig, wenn du mir erzählst, welchen Brauch du kennst, welchen du ausprobieren möchtest, oder ob du selbst noch einen kennst, der hier fehlt.
Liebe Grüße,
Nicole
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