Die Zeit zwischen den Jahren: dein Nullpunkt zum Neustarten
Wie fühlen sich die Tage zwischen den Jahren für dich an?
Für viele ist es eine Zeit wie jede andere. Vieles möchte noch abgeschlossen oder erledigt werden, und dadurch entsteht Stress. Oftmals will man das Jahr einfach so schnell wie möglich für sich beenden, weil die vergangenen Monate zu viele Tiefen und zu wenige Höhen hatten.
Vor vielen Jahren habe ich für mich die Sperr- und Rauhnächte entdeckt. In spirituellen Kreisen werden sie gerne als magisch bezeichnet, und das können sie in gewisser Weise auch sein. Es hat etwas sehr Mysteriöses, wenn man beginnt, zur Ruhe zu kommen und sich bewusst mit sich selbst auseinanderzusetzen, in eine Art Vertrauen zu kommen und dann zu bemerken, dass sich etwas verändert. Nicht unbedingt mit dem Knallen zu Silvester, sondern eher ruhig und subtil.
Diese Tage vom 8. Dezember bis zum 6. Januar haben bereits seit vielen Jahren ihre eigenen Bräuche und Rituale. Früher, vor allem auf dem Land, wurde in dieser Zeit vieles bewusst weggesperrt, um selbst zur Ruhe zu kommen. Es ist eine Einladung zur Einkehr, Reinigung und Neuausrichtung.
In diesem Beitrag schaue ich mir diese Zeit sowohl altmodisch als auch modern an. Am Ende zeige ich dir außerdem, wie ich dich dieses Jahr durch diese besondere Phase begleiten kann.
Zeit des Abschlusses: Sperrnächte und Rauhnächte
Die Sperrnächte vom 8. bis 21. Dezember
Diese Tage sind eine Vorbereitungsphase für die danach folgenden Rauhnächte. In dieser Zeit wurden traditionell noch anstehende Arbeiten abgeschlossen, Werkzeuge und Geräte gereinigt und weggeräumt, der Haushalt aufgeräumt und Ordnung geschaffen, ganz im Sinne von: sich einen Überblick verschaffen. Man bereitete sich auf die frostigen, kalten Tage vor und schuf sich gemütliche vier Wände.
Die Rauhnächte vom 24. Dezember bis 6. Januar
Volkstümlich gelten sie als die heiligen Nächte zwischen den Jahren, nicht ohne Grund heißt auch Weihnachten „die Heilige Nacht“. Es heißt, dass in diesen Tagen der Schleier zwischen den Welten dünner ist und der Kontakt zu Ahnen und anderen Wesenheiten intensiver wird. Verschiedenstes Räucherwerk wurde genutzt, um die Räume zu reinigen, etwa Weihrauch oder Salbei.
Nicht selten wurden die langen Nächte auch genutzt, um sich mit Visionen und Träumen zu beschäftigen. Oft heißt es, dass jede Nacht für einen Monat des kommenden Jahres steht. Wenn man die Möglichkeit hat, sich an seine Träume zu erinnern, erkennt man Tendenzen: die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember steht dann zum Beispiel für den Januar, und so weiter.
Moderne Relevanz
Ich beobachte seit Jahren, dass sich immer mehr Menschen diesen Tagen annähern und sie für sich nutzen, auch wenn sie mit spirituellen Kontakten wenig bis gar nichts anfangen können. Sie nutzen diese Zeit gerne, um sich bewusst vom Alten zu verabschieden, Klärung für das alte und das neue Jahr zu finden und Intuition sowie Kreativität zu nutzen. Die Möglichkeiten sind vielseitig, und jeder darf für sich selbst entscheiden, was er machen möchte und in welcher Intensität.
Auszeit für Körper, Geist und Seele
Wir alle haben in den letzten Jahren ein gewisses Pensum an Hektik, Reizüberflutung, Ablenkung und Überforderung zugelegt, oder? Irgendwie ist alles schneller geworden, wir kommen kaum noch mit, und es wird mit Sicherheit nicht weniger, wenn wir uns immer weiter mitreißen lassen und uns selbst im Alltagsrauschen verlieren.
Die Zeit zwischen den Jahren lädt uns ein, genau das zu unterbrechen. Vielleicht auch mal wieder raus aus dem Digitalen und zurück zu den Wurzeln, wie dem handschriftlichen Schreiben, bewusste Pausen einzulegen, Geräte mal auszuschalten und es sich bei Kerzenlicht gemütlich zu machen.
In den Sperrnächten kannst du noch offene Dinge abschließen oder, je nach Aufwand, bewusst einen Schlussstrich ziehen und sie aktiv ins nächste Jahr verschieben. Zum Beispiel:
- Offene Rechnungen bezahlen
- Klärende Gespräche führen
- Die überquellende Schublade aufräumen
- Den Kleiderschrank aussortieren
- Für die ganz Mutigen: den Keller aufräumen
- Handy, Laptop oder Tablet sortieren
Mental und emotional kannst du bereits beginnen, langsam herunterzufahren und dir bewusst deine Auszeit zu schaffen, so weit es geht. Auch wenn in den kommenden Tagen noch Verpflichtungen bestehen, kannst du dir schon jetzt Gedanken machen und feste Zeiten definieren, um dich mit dir selbst zu beschäftigen. Ein paar Ideen dafür:
- Selbstreflexion und Meditation
- Entspannende Musik
- Duftkerzen und Duftöle
- Ein schönes Kräuterbad
- Tee für die Auszeit
- Ein gutes Buch, oder gleich mehrere
- Geplante Gerätepausen
- Das Commitment, abends nur ein paar Minuten statt ein paar Stunden online zu sein
Vielleicht fallen dir noch weitere Dinge ein. Ich freue mich riesig, wenn du sie in den Kommentaren teilst.

Konkrete Rituale für die Zeit zwischen den Jahren
Schreiben, Tagebuch, Journaling
Neumodisch heißt es Journaling, altmodisch einfach Schreiben, und du kannst es auf verschiedene Arten tun:
- Einfach drauflos schreiben
- Jeden Tag in den Rauhnächten einen Monat aus dem vergangenen Jahr vornehmen, in Notizen, E-Mails oder Bildern nachschauen, was los war, und es festhalten
- Gezielte Fragen nutzen, immer die gleichen oder ganz eigene, wenn dir etwas einfällt, mit dem du dich nochmal beschäftigen möchtest
Das Schreiben eignet sich auch wunderbar, um Ziele, Träume und Wünsche in sichtbare Worte auf Papier zu bringen. Raus aus dem Kopf, radikal ehrlich und zukunftsorientiert, egal wie verrückt es klingt.
Du kannst diese Zeit auch nutzen, um bewusst zu planen, was du im nächsten Jahr erleben möchtest, vielleicht pro Quartal oder pro Monat. Ein paar schöne Schreibformate dafür:
- Ein Brief an deine zukünftige Version am Ende des nächsten Jahres: Sag ihr, was du erleben und machen möchtest, hebe den Brief auf und lies ihn dir ein Jahr später, gerne wieder in den Rauhnächten, durch.
- Ein Vision Board: Bilder aus Zeitschriften, Zeitungen oder online suchen, oder eigene Fotos nutzen, die dazu passen. Wenn du es minimalistischer magst, reichen auch klar aufgeschriebene Wörter, gut sichtbar aufgehängt.
- Ein liebevoller Abschiedsbrief an deine Version aus dem Jahr, das gerade zu Ende geht: Diese Version hat alles gegeben und so viel gelernt. Nutze den Brief als eine liebevolle Umarmung an dich selbst.
Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.
Träume und Orakel
Träume sind Prozesse, die in uns etwas verarbeiten, das ist nichts Neues. In spirituellen Kreisen können sie uns aber auch als eine Art Vorhersage dienen, wenn man sich an sie erinnern kann. Es heißt, man legt sich ein Traumtagebuch oder etwas zu schreiben neben das Bett und kann direkt nach dem Aufstehen aufschreiben, was noch hängen geblieben ist.
Nicht selten kommt es vor, dass Menschen sich einfach an nichts erinnern, und das ist völlig in Ordnung, mir geht es auch nicht immer anders. Was ich für mich festgestellt habe: Ich schreibe morgens einfach, vielleicht mit einer kleinen Frage zu Beginn, etwa was im kommenden Monat passieren soll, und dann drauflos. Dieser noch leicht vom Schlaf benebelte Zustand hat etwas von einer Trance, in der noch ungefiltert Informationen herauskommen, bevor unser innerer Kritiker dazwischenfunkt.
Viele Menschen nutzen dafür auch Orakelkarten, es gibt auch spezielle Sets für die Rauhnächte. Du kannst damit:
- Karten fürs kommende Jahr legen, eine pro Monat
- Eine Tageskarte für jeden Rauhnachtstag ziehen
Ich mag Karten sehr gerne, sie bieten mir oft einen schönen Abschluss für den Tag oder einen guten Start in den Tag, mit einer kleinen Botschaft, die manchmal erschreckend passend ist.
Räuchern und energetische Reinigung
Traditionell galten Salbei, Weihrauch, Wacholder und andere Kräuter zum Räuchern als Mittel, um alte, böse Geister zu vertreiben. Modern betrachtet muss man das nicht unbedingt so sehen, vor allem, wenn man mit diesem Bild nichts anfangen kann. Sich bewusst mit dem alten Jahr auseinanderzusetzen und alten Groll und Schuldgefühle gehen zu lassen, ist genauso wirksam.
Dazu kannst du auch aufschreiben, was du im alten Jahr lassen möchtest, und es symbolisch in einer feuerfesten Schale verbrennen. Zum Beispiel:
- Groll auf jemanden
- Unschöne Gedanken
- Sorgen und Ängste
- Dinge, die noch Vergebung brauchen
Räuchern riecht nicht nur gut, sondern wirkt sich tatsächlich auch auf die Räume aus und reinigt sie. Danach, bei kräftigem Lüften, nimmt der Rauch die abgestandene Luft und alles, was sich sonst noch so darin befindet, mit nach draußen. Ich persönlich schaue den Rauchschwaden gerne zu, wenn sie nach außen ziehen.
Magst du lieber keinen Rauch in der Wohnung, sind Duftkerzen oder Duftöle eine schöne Alternative. Da musst du natürlich trotzdem ab und an lüften, wegen der Luftfeuchtigkeit, aber deutlich weniger.

Mentale Pause: Meditation, Achtsamkeit, Stille
Diese Zeit ist perfekt, um das Rauschen des Tages und der vergangenen Monate mal leiser zu stellen. Früher war es natürlich generell weniger laut als heute, ohne die vielen verschiedenen Geräuschkulissen unserer Zeit, aber auch damals genoss man in dieser Phase Stille und Ruhe, zum Beispiel bei Handarbeiten.
Heute hast du viele Möglichkeiten, dir bewusst Stille zu verschaffen:
- Geführte Meditationen, mittlerweile gibt es auf YouTube unterschiedlichste Formate, auch als App
- Meditative Klänge, die einfach laufen können, während du entspannst, gut kombinierbar mit tiefen Atemzügen oder anderen Atemübungen
- Still dasitzen und in ein sanftes Licht schauen, gerne mit etwas Musik verbunden
- Ein Spaziergang durch die Nachbarschaft, auch wenn es schon dunkel ist, einfach raus, tief atmen und dich treiben lassen
Für ein paar Minuten dürfen Kopf und Körper sich dabei schön beruhigen. Das mache ich selbst besonders gerne am Abend.
Zeit nutzen und den eigenen Wert erkennen
Auch wenn wir uns über das Jahr hinweg kaum Zeit für uns selbst genommen haben, und wenn, dann nur für das Nötigste, dann ist die Zeit zwischen den Jahren vielleicht genau der richtige Punkt, um das jetzt bewusst zu zelebrieren.
Diese Zeit ist eine Einladung an dich selbst, ausgesprochen von dir selbst und von niemand anderem. Du darfst sie dir schön vorbereiten: unverhandelbare Zeitfenster nur für dich, um abzuschließen und dich neu auszurichten. Es ist wie ein Bootvorgang: Alles fährt herunter, um danach nach und nach wieder hochzufahren, wie bei einem Geräteneustart. Und die Natur macht es uns schließlich vor, oder?

Deine Regeln, keine Dogmen
Ich habe es nicht selten erlebt, dass Menschen tatsächlich darüber diskutieren, wie man die Rauhnächte eigentlich nennt, mit oder ohne h, wann sie starten und wann nicht, welches Räucherwerk das richtige ist und was gut oder nicht gut ist. In diesem Beitrag findest du eine Auswahl an Möglichkeiten, und es gibt bestimmt noch viele mehr. Aber grundsätzlich ist es eine Zeit für dich, und du darfst tun, was du möchtest. Du weißt selbst am besten, was dir gut tut und dich abschalten lässt, gleichzeitig lässt diese Zeit auch Raum, um mal etwas Neues auszuprobieren.
Wenn du gerade erst damit beginnst, dann nimm dir vielleicht nur ein oder zwei Dinge vor, die du in den Rauhnächten machen möchtest, und in den Sperrnächten vielleicht nur eine Sache, mit der du abschließen willst. Im Grunde geht es um eine bewusste Zeit, die uns selbst verankert, und nicht selten suchen Menschen gerade in dieser wilden Zeit immer mehr nach solchen Ankern, um sich zu stabilisieren und neu auszurichten.
DU findest in meinem Blogbeitrag: „22 Rituale und Bräuche für die Zeit zwischen den Jahren: von Rauhnächten bis Weltbräuchen“ weitere Ideen, Bräuche und Rituale für die Zeit zwischen den Jahren.
Was ist dein Jahreswechsel-Modus?
Wir Menschen haben ganz unterschiedliche Modi, wie wir die Zeit zwischen den Jahren nutzen wollen. Manche wollen einfach nur abschalten, andere planen bereits euphorisch, wieder andere ziehen den Sekt dem Selters vor. Und vielleicht weißt du selbst gerade gar nicht so genau, was du eigentlich brauchst.
Aus genau dieser Idee ist mein Quiz „Welcher Jahreswechselmodus bist du? entstanden. Damit kannst du deinen eigenen Jahreswechsel-Modus erkennen und ihn bewusster für dich nutzen. Nach den Fragen bekommst du ein paar Impulse und Fragen, die du dir gerne abspeichern kannst.
Ich persönlich mag diese Zeit sehr gerne und möchte damit auch dich dabei unterstützen, dich neu auszurichten. Mach gerne den Test und finde heraus, welcher Jahreswechsel-Modus gerade zu dir passt.
Ich freue mich sehr, wenn du mir einen Kommentar dalässt. Und falls du Fragen hast oder dich einfach austauschen möchtest, melde dich gerne bei mir.
Liebe Grüße,
Nicole
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