Sinn im Leben finden: Warum wir uns so leer fühlen – und wie du wieder lebendig wirst
Was bedeutet es für dich, lebendig zu sein? Wenn du durch deinen Alltag gehst, die Welt beobachtest und deine innere Wahrheit wahrnimmst – was genau fühlt sich dabei lebendig an? Was bewegt dich, was hält dich frisch und lebendig?
Ich habe kürzlich einen Podcast gehört, in dem es um Selbstkommunikation und Wahrnehmung ging – also darum, wie wir mit unseren eigenen Gedanken und Gefühlen umgehen. Der Kern: Viele innere Informationen sind zwar da, bekommen aber keinen Raum, sich auszudrücken. Das hat mich direkt an das Thema Sinn im Leben erinnert – ein Thema, das mich seit Langem beschäftigt und das eng damit verbunden ist, was wir denken, fühlen und zulassen.
Die Frage nach dem Sinn ist uralt – wobei ich Sinn nicht als eine einzelne Sache sehe, sondern als etwas, das aus vielen kleinen und großen Momenten besteht. Und nicht was statisches sondern agile, flexibles ist. Und nach meinem Empfinden sind gerade wieder so viele Menschen auf der Suche nach Sinn – was an vielen Dingen liegt – individuellen, kollektiven.
Irgendwie scheint diese Zeit menschen innerlich zusammenzupressen – wie innerlich komprimieren, was uns stark einschränkt und nicht lebendig fühlen lässt.
Dieser Beitrag ist aufgrund eines Gespräches mit jemanden entstanden. Ich finde diesen Gedanken bzgl. Sinn und lebendig fühlen sehr interessant und fasse ein paar Gedanken hier zusammen. Ich vermute das er an der einen oder anderen stellen vielleicht zu direkt und ernst klingen könnte – aber er sollte die lebendigkeit des Gespräches mit tragen.
Vermeintlich linear – und trotzdem verloren
Mein Leben verlief vermeintlich linear: Ich habe meinen beruflichen Weg beschritten, mir Schritt für Schritt ein Fundament aufgebaut – und dann begann eine Zeit der Anpassung. Ich ignorierte mich selbst, wollte um jeden Preis keine Fehler machen, sagte zu allem Ja – auch wenn ein klares Nein in mir schrie. Richtige Gefühle tauchten in falschen Momenten auf, falsche Gefühle verwirrten mich in eigentlich guten Situationen.
Ich zog mich in ein emotionales Zuhause zurück – vertraut und kuschelig, aber völlig statisch. Meines trägt den Namen: Frustration. Ich merkte kaum noch, dass ich dort feststeckte. Es hatte sich über viele schlechte Erfahrungen geformt – das ständige Gefühl, nicht richtig zu sein, der Reflex, mich anzupassen, der die Dinge aber nicht besser machte, sondern schlechter. Und ich rutsche da immer noch gerne rein. Manchmal macht es einfach Sinn – vor allem, wenn ich gerade nicht weiß, wohin. Die Frage ist weniger, ob man sich solche Räume geschaffen hat. Sondern wie lange man darin bleiben möchte.
Dauerhaft in einer Haltung – mental, emotional zu verharren macht uns nicht lebendig. Dauerhaftes halten schwächt unserer Sinn für wirklich lebendiges.
kollektiver Sinnverlust
Wenn Sinnhaftigkeiten wegbrechen, graben wir uns tiefer in uns selbst in eine emotionales zuhause – aber nicht, um uns zuzuhören. Sondern um Selbstmitleid zu kultivieren, die Schuld im Außen zu suchen und uns dabei selbst zu vergessen.
Dabei wären die eigentlich wichtigen Fragen:
Was macht gerade Sinn für mich?
Wo investiere ich meine Zeit und Energie – und warum?
Wem habe ich Verantwortung übergeben, die ich selbst gerade gut gebrauchen könnte?
Welche Ziele haben ihren Sinn verloren?
Und: Ist das Beschäftigtsein vielleicht der einzige Sinn, den ich gerade kenne?
An uns Millennials – aber auch an allen anderen – wird permanent gezerrt. Bewusst oder unbewusst. z.B. Social-Media-Kanäle sind darauf ausgelegt, uns zu reizen: optisch, durch Vergleiche, durch Neid, durch ein immer schnelleres und lauteres Außen. Ein Teil von uns will mithalten. Ein anderer will einfach nur Ruhe. Diese innere Diskussion erschöpft uns – und erschöpft auch unsere Fähigkeit, Sinn zu finden.
Vielleicht ist das eine interessante Frage die ich mir neuerdings stelle: Hat das Beschäftigtsein – egal womit oder mit wem – den sinnhaften Teil in uns ausgeschlossen? Unsere eigenen, wirklichen Gedanken. Unsere eigenen, wirklichen Gefühle – in all ihren Facetten, so wie sie da sind und auch sein dürfen.
Wir bauen unsere eigenen Gefängnisse – und merken es kaum
Das ist eine harte Aussage ist mir bewusst. Und als ich dies für mich selbst erkannte und wirklich fühlte, musste ich schlucken. Aber anstatt mir diesen Gedanken auszureden, habe ich angefangen, ihn zu hinterfragen – und über meine eigene Zeitlinie zu schauen und die Wendepunkte zu reflektieren. Es ist eine radikaler Akt der Selbstehrlichkeit.
Wir werden ein Leben lang beeinflusst – bewusst und unbewusst. Im negativen durch Kritik, Ablehnung, Enttäuschungen und ziehen uns zurück. Wir komprimieren uns auf das Nötigste: das, was am wenigsten Energie kostet, am wenigsten hinterfragt wird. Wir schaffen uns dabei ein eigenes Gefängnis – eines, das wir kaum noch wahrnehmen. Die Gitterstäbe? Gewohnheiten, Routinen, ein Umfeld und Handlungen, die genau das unterstützen, Masken die wir tragen solange bis wir nicht mal mehr merken das wir es tun. Aber auch Haltungen und Rollen, die wir einnehmen – die uns eher verbiegen, als uns aufrecht gehen zu lassen.

Wir sind erschöpft – von vielem, aber am meisten von uns selbst. Weil wir unser emotionales Zuhause nicht mehr durchlüften. Weil wir weniger hinterfragen. Bis wir an einen Punkt kommen, an dem plötzlich große Fragen entstehen – wie z.B. die nach dem Sinn.
Und was dann passieren kann: Wir beginnen, unsere Gedanken wirklich bewusster und kritischer zu denken. Wir öffnen emotionale Bunker und merken, was sie uns sagen wollen – wie sie aus Schutz entstanden sind, damit wir bestimmte Dinge nicht noch einmal spüren müssen.
An dieser Stelle ein paar Fragen, die einen ehrlichen – und manchmal unangenehmen – Einstieg bieten können:
- Welche Gedanken erlaubst du dir nicht?
- Wofür wurdest du immer wieder abgelehnt?
- Welche Gedanken verbietest du dir sogar selbst?
- In welches emotionale Zuhause rutschst du immer wieder hinein?
- Welche Gefühle sind bei dir nicht erlaubt – und die dich bei anderen triggern?
Fragen wie diese können unangenehm sein – besonders dann, wenn sie in etwas stechen, das wir lieber verborgen halten. Genau deshalb sind sie so wertvoll: Sie decken auf, was keinen Sinn mehr ergibt zu verdecken.
Sinn im Leben finden – oder abstumpfen?
Die Frage nach dem Sinn wird für viele immer lauter. Spätestens wenn die Nachrichten wieder mit angstmachenden Schlagzeilen gefüllt sind, wenn Newsletter und Social-Media-Kanäle uns mit provokanten Titeln bombardieren. Ich habe in den letzten Wochen viele Newsletter und Kanäle abbestellt – auch solche zu persönlicher Entwicklung und Finanzen, die ich eigentlich schätze. Der Grund: Sie hatten sich zu Angst- und Push-Maschinen entwickelt.
Ja, kritische Informationen, die zum Nachdenken anregen, sind wichtig. Aber bedeutet das, dauerhaft Angst zu erzeugen? Ich zweifle daran. Denn wenn Angst auf Dauerschleife läuft, reagieren wir auf eine von drei Arten: Wir kämpfen, wir fliehen, oder wir erstarren. Alle drei können kurzfristig sinnvoll sein und habe ihre guten und schlechten Aspekte. Langfristig halten sie uns in denselben Gedanken, Gewohnheiten und Mustern fest.
Was mir mittlerweile hilft: Geräte ausschalten und rausgehen. Wenn ich mir etwas anschaue, beobachte ich mich selbst, was in mir passiert – ich erkenne so FOMO-Momente und übermäßige Reizüberflutung.
Digital Detox, Nervensystemregulation, bewusste Pausen – all das sind Wege, die Sinne nach innen zu richten und dort Informationen zu verarbeiten, zu hinterfragen, zu sortieren.
Sinn entsteht im wahrnehmen – mit allen Sinnen. Wenn unsere Augen überreizt sind von schnellen Videos, wenn unsere Ohren nur noch Lärm und negative Gespräche aufnehmen, wenn wir uns in unserem Umfeld nicht mehr wohlfühlen – dann stumpfen wir ab. Wir überhören, übersehen und überfühlen das, was uns unsere innere Stimme eigentlich sagen will. Wenn wir das ignorieren und statt innezuhalten lieber einen Gang höher schalten – als ob wir vor uns selbst fliehen wollten – dann verlieren wir uns im höher-schneller-weiter-Prinzip.
Wenn wir den Sinn im Leben verlieren, verlieren wir etwas Lebendiges. Und es geht dabei nicht immer um etwas Riesiges. Es geht um kleine, feine Dinge – die uns begleiten, die uns Freude machen und die wir halten können. Die etwas in uns auslösen woraum wir auch immer wieder zugreifen können auch wenn es ggf. wieder verschwunden ist.
Die Sinninventur: Dein tägliches Ritual für mehr Sinn im Leben
Aus all dem habe ich mein eigenes kleines Tool entwickelt – die Sinninventur. Sie erinnert dich daran, dass du jederzeit die Fähigkeit hast, Sinn in deinem Leben zu erschaffen und lebigkeit einzuladen. Nicht, indem du im großen Meer danach suchst – sondern zunächst in deinem eigenen kleinen Hafen. Das PDF zur Sinninventur kannst du dir kostenlos und ohne E-Mail-Angabe herunterladen.
Die Sinninventur hilft dir, Sinnhaftigkeit täglich zu erkennen, zu nutzen, zu intensivieren – oder loszulassen, wenn die Sinnquelle z.B. auf einer Skala von 1 bis 10 nur noch einen Wert von 1 hat.
Lass es zu (d)einem täglichen Ritual werden. Kleines spüren, um Großes erschaffen zu können.
Ich freue mich riesig über einen Austausch – schreib mir gerne direkt. Ich freue mich immer über GleichgeSINNte. 🙂 – Folge mir auch auf meinen Kanälen.
Herzliche Grüße,
Nicole
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