Selbstkommunikation lernen: Dein Zugang zu dir selbst
Wir kommunizierst du mit dir?
Kommunikation ist allgegenwärtig und facettenreich. Sie ist nicht nur Sprache, sondern umfasst auch Mimik, Gestik, Körpersprache, das Erspüren von Menschen, Schreiben, Bewegung. Kommunikation kann kompliziert sein – besonders, wenn Missverständnisse auftreten, wenn das unbedingt Recht-haben-wollen überwiegt, anstatt die Info einfach mal landen zu lassen. Doch genau das macht sie so spannend, denn sie ist immer eine zwischenmenschliche Sache – durch Sender und Empfänger.
Die besondere Kraft der Selbstkommunikation
Das Spannende ist die Selbstkommunikation – wie sprechen wir mit uns selbst? Wie gehen wir mit uns um? Was für Handlungen üben wir aus oder auch nicht?
Kannst du für dich beantworten, in welcher Form du mit dir selbst kommunizierst? Liebevoll, belehrend, erhebend oder ganz anders? Oder vielleicht kannst du es auch gar nicht beantworten. Es heisst auch, so wie Menschen mit anderen umgehen, gehen sie auch mit sich selbst um. Vielleicht steckt da etwas Wahres dran, und es ist mit diesem Blickwinkel auch sehr spannend zu beobachten.
Für mich ist Selbstkommunikation eines der wichtigsten Werkzeuge: um sich selbst zu verstehen, Veränderung zu fördern und die Beziehung zu anderen zu verbessern und vor allem die Selbstbeziehung zu stärken. Unsere Gedanken sind bedeutend, da sie sowohl bewusst als auch unbewusst ablaufen, erschaffen, aber auch zerstören können. Sie schaffen Verknüpfungen, sind Wissensspeicher, was auch an andere weitergegeben werden kann.
In diesem Beitrag möchte ich Selbstkommunikation beleuchten und ein paar persönliche Erfahrungen teilen und was ich so erkannt habe. Selbstkommunikation ist für mich eine der wichtigsten Grundsäulen der Beziehung zu sich selbst und damit ein Ausgangspunkt auch zu besseren Beziehungen zu anderen.
Unser Lernfeld: die Anderen
So sehr Menschen uns auf die Nerven gehen können, ob wir sie mögen oder nicht, ob wir für gewisse Eigenschaften wenig bis kein Verständnis haben – es hat auch immer etwas mit uns selbst zu tun. Vor allem dann, wenn wir uns darüber aufregen und wie wir damit umgehen, inklusive auch wie wir mit den Menschen umgehen und sprechen. Andere können in uns das Liebevollste oder vollkommen das Gegenteil herausholen.
Ein Lehrmeister für mich war ein ehemaliger Kollege, der sich in seiner Rolle als Besserwisser und Marktschreier sehr gut immer wieder in Szene setzen konnte. Wir sind regelmäßig aneinandergeraten, weil er mit dieser Art auch sehr unterschwellig den Menschen das Gefühl gab, nichts wert zu sein. Eine Art, die in mir sehr wütend hat werden lassen, aber damit kam ich nicht weiter – also begann ich zu experimentieren in der Kommunikation mit ihm, aber vor allem mit mir selbst!
So begann ich zu experimentieren: Zuerst war ich hilfsbereit und nett, dann still – und schließlich versuchte ich es wie er: laut, aggressiv, übergriffig. Es sträubte sich alles in mir, aber ich wollte ihm damit einen Spiegel vorhalten. Dieses Bewusstsein half mir, eine neue Seite an mir zu entdecken, aber keine, die ich unbedingt dauerhaft behalten wollte – aber ich erkannte: Ich kann auch gewisse Haltungen einnehmen, aber ich muss es nicht.
Meine Erkenntnisse: Wir können alles sein und sollten uns das auch immer wieder bewusst machen und vielleicht damit auch anderen mal einen Spiegel vorhalten, aber das Wichtigste ist – zu erkennen, wie man mit sich selbst spricht.
Wir können andere Menschen nicht verändern – egal, was wir tun. Aber wir können lernen, wie wir mit ihnen umgehen. Manchmal heißt das, nur noch den nötigsten Kontakt zu pflegen, aber mit einer Brise Respekt und Toleranz. Und wenn man sich getriggert fühlt, kann man sich fragen, warum und was genau es in einem auslöst.
Selbstlügen erkennen und annehmen
Wir sind ab und an Meister darin, uns selbst zu belügen, verbunden mit der Fähigkeit, Ausreden zu finden – besonders, wenn wir etwas nicht wollen, keine Motivation haben oder andere Dinge wichtiger erscheinen.
Sich selbst bei Selbstlügen zu erwischen und es bewusst zu machen, ohne sich kleinzuhalten, fördert eine liebevolle Selbstkommunikation. Selbstlügen an sich sind nicht schlimm – es sind eher die daraus folgenden destruktiven Selbstgespräche, die unbewusst ablaufen und auch Schuldgefühle einreden.
Ein kleines Experiment für dich: Wenn du dich selbst beim Lügen erwischst, dann erkenne es an. Du kannst dann gerne folgenden Satz für dich nutzen und vervollständigen:
„Ich habe mich selbst belogen, als ich mir sagte …, und das ist in Ordnung.“
Diese Annahme fördert eine positive, liebevolle Selbstkommunikation.
Ich weiß, Lügen sind verpönt – aber mal ehrlich: Jeder macht es. Entscheidend ist, wie wir gelernt haben, damit umzugehen. Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem sich Selbstkommunikation verändern darf.
Der Tanz mit den Wenns und Abers
Das mit den Selbstlügen ist das eine – das andere sind die Ausreden, die ich gern den „Tanz der Wenns und Abers“ nenne.
Eine wundervolle Fähigkeit, die wir manchmal brauchen, um abzuwägen und Entscheidungen zu treffen. Doch manchmal tanzen wir zu lange darin und bleiben in Ausreden stecken, statt mutig einen Schritt nach vorne zu machen. Ausreden können uns unbewusst in einer Komfortzone halten, die immer kleiner und unbequemer wird.
Ein Beispiel: Eine Freundin bot mir an, an ihrem Tanzkurs mitzumachen – Trance Dance, bei dem man mit verbundenen Augen tanzt, um Bewusstsein für sich und die eigenen Bewegungen zu schaffen. Meine spontane Ausrede: „Da rempel ich doch die anderen Leute an!“ Daraus entstand ein spannendes Gespräch, das in mir einiges aufdeckte.
Dahinter steckte die Erfahrung, dass ich Tanz mit Choreografie verbinde und mich dann schnell dumm und überfordert fühle. Ob Ausreden nach außen oder innen – es lohnt sich, zu schauen, was dahintersteckt. Manchmal ist es einfach nur kein Bock auf etwas zu haben – und das kann manchmal sogar die ehrlichste Antwort sein.
Ich habe dazu auch eine kostenfreie Meditation auf meinem YouTube-Kanal, mit der du ganz spielerisch den Tanz offenbaren kannst.

Was hat das mit mir zu tun?
Kennst du das Gefühl, wenn eine unangenehme Begegnung lange an dir nagt? Du fragst dich, warum es deine Schuld sein soll oder was du getan hast, dass die Person so reagierte?
Vor einigen Jahren hatte ich eine Begegnung mit einer Person, die mich massiv anschrie und „grundlos“ persönlich wurde. Sie war allerdings bereits bekannt dafür und wurde dadurch oft mit Samthandschuhen behandelt. Damals nach dem Vorfall konnte ich kaum schlafen, zerbrach mir den Kopf, was ich falsch gemacht hatte, obwohl ich nur helfen wollte. Heute weiß ich: Ich hatte in ihr einen Anteil getriggert, der sich „dumm“ oder „nutzlos“ fühlte, vielleicht auch unverstanden.
Nach diesem Vorfall kam einen Tag später eine sehr passende E-Mail von einem Coach dessen Newsletter ich abonniert hatte. Er schilderte dort eine ähnliche Situation und es tauchte ein Satz auf, der bei mir hängen blieb:
„Es hat nichts mit dir persönlich zu tun, sondern du hast etwas in der Person getriggert, weshalb sie so reagiert, weil sie es nicht anders gelernt hat.“
Für mich hat das einen ganz neuen Blickwinkel geöffnet – und diesen Satz sage ich mir immer wieder, wenn es erneut zu ähnlichen Situationen kommt.
Gleichzeitig entstand auch die Frage, warum es mich dann so beschäftigt. Zum damaligen Zeitpunkt war es der pure Schock über diese Art und Weise und mein Gedanke, dass ich Menschen nie so behandeln würde, die doch nur helfen wollen.
Mein Tipp: Wenn solche Situationen dich belasten und in deinem Leben auftauchen, arbeite gerne mit diesem Satz „Es hat nichts mit mir zu tun, ich habe etwas in der Person ausgelöst.“ und frage dich gleichzeitig, was in dir getriggert wurde, sodass du dich gleich persönlich angegriffen fühltest. Diese Selbstreflexion fördert dein Bewusstsein für dich, deine innere Kommunikation, aber auch ggf. dein Verständnis für die andere Person – auch wenn es vielleicht nicht ganz leicht ist.
Selbstgespräche führen – ein wertvolles Werkzeug
„Ich habe meinen Cousin dabei erwischt, wie er Selbstgespräche führte, und fand das seltsam.“ So sagte eine Bekannte vor einigen Jahren in einem Gespräch mit mir. Damals dachte ich ähnlich darüber, heute sehe ich das komplett anders.
Selbstgespräche helfen, angestaute Spannungen abzubauen. Wenn niemand zum Reden da ist oder wir uns für etwas schämen, sind Selbstgespräche wertvoll. Man kann sie „unsichtbar“ im Kopf führen oder laut im Auto, zu Hause, im Wald – wo es gerade passt. Wir kommunizieren sowieso ständig mit uns selbst – bekommen es vielleicht kaum mit umso wichtiger es bewusster zu machen, inklusive auch Fragen zu stellen, kann etwas Grundlegendes verändern – es wird zu einem Dialog mit sich, statt ein Kampf.
Mein Tipp: Wenn dich das nächste Mal etwas stark beschäftigt, probiere es mal aus und rede mit dir selbst – im Kopf still oder laut, einfach nur reden, was gerade in dir arbeitet. Es kann auch manchmal einfach helfen, sich selbst zu fragen, wie es einem geht. Vielleicht auch Fragen mit einbauen – auf meinem Blog findest du einige davon.
Nutze auch gerne die Afformationen kostenfrei auf meinem YouTube-Kanal, zum anhören und auch zum mitlesen.
Selbstkomplimente machen und Selbstwert fördern
Vielleicht kennst du den Satz: „Wenn’s kein anderer tut, dann mach es selbst.“
Das gilt auch für Komplimente und Wertschätzung, die wir uns wünschen und die sehr wichtig sind. Ich habe an dieser Stelle aber erkannt: Wenn andere es nicht tun, neigen wir manchmal dazu, noch mehr draufzupacken, es besser zu machen – und verlieren uns dabei fast aus den Augen.
Vielleicht ist das ein wichtiger Ansatz, sich selbst dabei zu erwischen: Wenn wir merken, dass wir von anderen mehr Anerkennung oder Wertschätzung verlangen, dann sollten wir anfangen, uns diese selbst zu geben. Uns selbst Komplimente machen und Selbstrespekt fördern und schenken. Wir machen uns dadurch immer abhängiger von anderen Meinungen – obwohl unsere eigene auch sehr wichtig ist.
Hinterfrage, was du von anderen erwartest und warum. Oft steckt der Wunsch, anerkannt zu sein, dahinter. Trotzdem geht durch die Digitalisierung viel Wertschätzung verloren, weil wir uns hinter Bildschirmen verstecken und selbst ein einfaches „Danke“ manchmal fehlt. Manchmal werden offene Erwartungen auch einfach verschluckt – so stilles Erwarten an andere – dann auch gerne mal aussprechen und Klarheit schaffen.
Es ist an der Stelle so wichtig, die Beziehung zu sich selbst wieder zu stärken, indem man sich selbst wieder mehr anerkennt für all was man tut. Vielleicht hast du auch Lust ein Experiment einzugehen und dir selbst ein Zertifikat der Selbstanerkennung dafür auszustellen?
Ein tägliches Kompliment wenn du in den Spiegel schaust kann auch ein Gamechanger sein in der Beziehung zu sich selbst.
Gedanken sind manchmal langsam – Gefühle schnell
Manchmal reagieren wir schneller, als wir denken können. Das ist in Ordnung und ein Überlebensmechanismus (Flucht, Angriff, Starre). Doch oft übernehmen wir ungefiltert Gedanken von anderen, zum Beispiel: „Du bist nicht gut genug“ oder „Ich bin besser als du.“ Wenn wir diese nicht hinterfragen, machen wir uns kleiner oder projizieren Druck auf uns selbst, aber auch auf andere.
Erkenntnisse brauchen Zeit. Alles beginnt damit, dir selbst zuzuhören und wahrzunehmen, Gedanken zu beobachten und Gefühle zu fühlen, sie zu hinterfragen und dich zu stoppen, wenn du dich klein machst oder in übermäßigen Reaktionen verlierst. Nicht, um andere zu beschuldigen, sondern um zu verstehen, warum dich etwas belastet und was du daraus lernen kannst.
Um zu erkennen das du vielleicht überwiegend in einem Reaktionsmuster hängst was dich in Bewegung hält aber nichts neues erschaffst.
Sich seiner eigenen Selbstwahrnehmung und Selbstkommunikation zu widmen – mit all den verschiedenen Arten und Formen – ist ein Akt, sich selbst gegenüber offen zu sein.
Nimm eine Haltung ein, die dich zum Forschen einlädt – nicht nur zum Funktionieren. Nicole Wenk
Werde zur Meister:in der Selbstkommunikation
Dranbleiben – egal, welche Situationen gerade anstrengend sind, welche Emotionen fließen usw. Umso öfter man mit sich selbst in Austausch geht, umso mehr Veränderung kann sich einstellen, umso mehr Verständnis für sich selbst und auch für andere Menschen.
Regelmäßig und am besten täglich mit sich selbst zu reden, kann vieles verändern – vor allem die Beziehung zu dir selbst und deinen Blick nach innen.
Starte jetzt mit deiner Selbstkommunikation:
Nutze dazu meine kostenfreie Vorlage. Damit kannst du jeden Tag deine Gedanken beobachten und dir ein paar Fragen stellen. Trage dich gerne mit deiner E-Mail-Adresse ein, und du bekommst sie direkt in dein Postfach zum Download: „Erinnere Dich an Dich“
Egal, ob es um die inneren Dialoge geht oder einen anderen Kontext im Leben, in dem man sich Veränderung wünscht: Solange man dranbleibt oder auch mal wieder die Fahrt neu aufnimmt, um dann länger dranzubleiben, ist das richtig und wichtig.
Ich freue mich von Dir zu lesen, in den Kommentaren, per E-Mail oder zu einem virtuellen Austausch.
Liebe Grüße,
Nicole
🍀Trag dich für meinen kostenfreien Newsletter ein. Erhalte regelmässig Fragen. Impulse, Übungen rund um das Thema Selbstbeziehung exklusiv in dein E-Mail-Postfach.


Schreibe einen Kommentar