Fehler machen stärkt deine Beziehung zu dir selbst
Was ist das Machtvollste an Fehlern?
Vor meinem bewussteren Weg der persönlichen Weiterentwicklung waren für mich Fehler zu machen oder dass andere welche machen wie ein innerlicher Gegner. Bloß nicht machen. Wenn etwas nicht lief oder ich mich nicht gut genug fühlte, machte ich mich selbst klein. Der Druck, alles „richtig“ machen zu müssen, machte mich regelrecht starr – innerlich verkrampft und körperlich verspannt, und mein Körper war auch die letzte Instanz, die dann auch Stopp sagte. Heute bin ich mir darüber bewusst, wie wichtig es ist, auszuprobieren, weiterzumachen und dass Fehler immer dazugehören und grundsätzlich nichts Schlimmes sind.
Ich trug lange einen tief sitzenden Glaubenssatz in mir: „Bloß keine Fehler machen, dann lässt man dich in Ruhe.“ Aber am Ende – wenn dich jemand „auf dem Kieker“ hat – dann ist es egal, was du tust. Menschen haben oft einen erstaunlich feinen Radar für alles, was von ihnen selbst ablenkt. Fehler bei anderen scheinen da willkommen zu sein, die Aufmerksamkeit zu versetzen.
Ich erinnere mich an eine frühere Anstellung, in der ich unter ständiger Beobachtung stand – von selbsternannten „Häuptlingen“, wie man sie in engen Kreis nannte. Jeder kleinste Patzer wurde direkt an den Chef weitergetragen. Das hat mich unfassbar zermürbt, und gleichzeitig wurde ich immer kleiner, aber irgendwas begann in mir auch daran zu wachsen – denn ich begann, klare Grenzen zu ziehen und nein zu sagen. Wenn ich heute zurückblicke, erkenne ich: Mein Nein war nicht nur ein Akt der Klarheit – es war auch von Angst begleitet. Die Angst, mich weiterhin so behandeln zu lassen. Denn anstatt zu helfen und zu unterstützen wurde man blossgestellt – heute weiss ich das es weniger über mich ausgesagt hat und meine Leistung oder meine Fehler – sondern über die Menschen selbst.
Andere können uns auf Fehler aufmerksam machen – wichtig und richtig, um uns etwas beizubringen und um daraus auch selbst noch etwas zu lernen – das stärkt unsere Beziehungen und auch die zu uns selbst. Alles andere verwandelt sich in verschiedenste destruktive Spiralen.
Mit diesem Blogbeitrag möchte ich einen anderen Blick auf Fehler eröffnen: Fehler können Helfer sein. Nicht etwas Dunkles, das man vermeiden sollte – sondern Wegweiser, Spiegel, Lernmaterial. Fehler zu machen, um etwas voranzubringen, und dass es wieder eine offene und erhebende Fehlerkultur gibt. Erkennen das Menschen durch Fehlermachen zusammenwachsen und weniger in einen Fingerpointing-Kampf enden.
Ich teile neben Selbstreflexionsfragen auch Übungen, um dadurch die eigene Wahrnehmung und Selbstkommunikation für Fehler und zu sich selbst zu aktivieren.
Vom Scheitern zum Erfolg: Warum Fehler für Wachstum unverzichtbar sind
Wenn wir unsere Zeit viele viele Jahre zurückdrehen, dann war das „Fehlermachen“ früher oft ein echtes Risiko – manchmal sogar lebensgefährlich. Anders zu sein, nicht zu funktionieren wie die Norm, anders zu denken oder zu handeln, galt als bedrohlich. In früheren Jahrhunderten konnte das bedeuten, auf dem Scheiterhaufen zu landen, angeprangert zu werden. Manchmal denke ich, dass dieser Schrecken noch in uns ist und heute eher durch Perfektionismus und Leistungsdruck unterstützt wird.
Bloß keine Fehler machen, und es gibt keinen Ärger – egal, was das für jeden bedeutet im Einzelnen und auch die eigene Wahrnehmung, was Fehler sind und was nicht, wofür man Ärger bekommt oder halt auch nicht.
Und dabei passieren ständig Fehler im Alltag:
Wir verklicken uns im Programm.
Lassen etwas fallen, das dann zu Bruch geht.
Verschreiben oder versprechen uns.
Verlieren etwas aus den Augen.
Oder verlegen den Schlüssel.
Bereits kleine Missgeschicke werden häufig von einer inneren Stimme kommentiert – oft weniger freundlich oder auch gar nicht. Das kann man sehr gut mal bei sich beobachten.
Mir wurde auch immer bewusster: Unsere negativen Selbstgespräche sind manchmal der eigentliche Schmerz, nicht der Fehler selbst.
Wo bleibt der Blick für das Gelungene?
Und dabei leisten wir jeden Tag, erschaffen unseren Alltag in winzigen alltäglichen Dingen und erkennen kaum noch unsere Leistungen bzw. spielen diese fast schon herunter, oder?
Es wird oft leicht übersehen:
Was wir den ganzen Tag leisten.
Was wir alles richtig machen.
Wie oft wir Entscheidungen treffen, zuhören, uns kümmern, denken, fühlen, funktionieren.
Auch in den kleinsten, scheinbar banalen Handlungen steckt oft eine stille kleine Heldengeschichte. Vielleicht wird es Zeit diese wieder jeden Tag zu sehen und die Selbstverständlichkeiten mal wieder sichtbar zu machen.
Tipp: Mach dir mal einen ganzen Tag lang bewusst, was du alles schaffst, meisterst, erledigst und auf deiner innerlichen Checkliste mal fett abhaken kannst. Und das kann der Abwasch sein, das Bett gemacht, kochen oder duschen – was auch immer. Nimm du es wahr! Es geht nicht um die anderen, sondern um deine Wahrnehmung, was du leistest.
Ohne Fehler – kein Fortschritt
Wenn wir auf die Menschheitsgeschichte blicken, wird sehr schnell klar: Ohne Fehler gäbe es keine Innovation, und das ist Fakt, oder?
Die Glühbirne, das Rad, das Auto, der Computer – all das wäre nie entstanden, wenn beim ersten Scheitern alles aufgegeben worden wäre. Wenn nicht Fehler gemacht worden wären, wenn die Menschen es mehr als einen Antrieb gesehen haben, wenn andere es nicht erkannten oder sogar als Fehler abtaten.
Es gibt zahllose Beispiele von Menschen, die gescheitert sind – was auch immer das bedeutet – und genau daraus Kraft geschöpft haben. Die nicht aufgegeben haben, weil sie an ihre Idee geglaubt haben. Die mit jedem Fehlversuch gewachsen sind – und manchmal dadurch erst auf die wirklich gute Lösung gestoßen sind.
Fehler führen manchmal zu besseren Ergebnissen als der ursprüngliche Plan.
Was Fehler möglich machen
Wenn wir keine Fehler machen würden:
- Würden wir nichts Neues lernen.
- Würden wir auf der Stelle treten.
- Würden wir wichtige Geschichten und Erfahrungen nicht teilen können.
- Würden wir Wege nicht sehen, die nur durch Umwege sichtbar werden.
- Würden wir vielleicht keinen Antrieb finden, etwas besser zu machen.
Ohne Fehler gibt es manchmal auch keine Weiterentwicklung. Genauso wie Zweifel und Angst dazugehören, wenn echte Veränderung stattfindet. Genauso kann es auch alles leicht und gut sein, dass eine Veränderung stattfindet.
Wenn ich heute so zurückschaue, was andere ggf. mir als Fehler übergestülpt haben – ob es meine Entscheidungen waren oder weil ich in ihren Augen nicht richtig gehandelt habe: All die kleinen und großen Fehltritte haben mich genau dorthin gebracht, wo ich jetzt bin. Inklusive auch der Stärkung der Beziehung zu mir selbst, meine ehrliche Selbstkommunikation, fühlbarere Selbstwahrnehmung inkl. dem erhebenden Zweifeln ob das so richtig ist oder nicht und dabei nicht in negative Selbstgespräche zu verfallen.
Ohne diese winzigen bis riesigen Fehler oder Stolperer – ohne das Scheitern, das Zweifeln, das Angst haben – wäre ich vielleicht ein anderer Mensch geworden bzw. der geblieben, der ich einmal war und manchmal kann dieser schmerzvolle Gedanke zu bleiben wie man war einer der grössten Antriebe im Leben sein Fehler einzugehen um etwas zu verändern. Wenn ich meine Fehler nicht gemacht hätte – und selbst wenn es auch welche gab, die in meinen Augen keine waren – hätte ich Lektionen verpasst, die mich immer etwas gelehrt haben und von denen ich auch immer noch zehre.
Fehler integrieren und seine Selbstbeziehung stärken
Reue und Scham im Zusammenhang mit Fehlern können sehr unangenehm sein. Kennen wir alle an der einen oder anderen Stelle. Es sind Gefühle, die man am liebsten gar nicht haben möchte, und damit werden diese auch schnell vor anderen verborgen – und am besten gleich in unserem innersten „Keller“ weggesperrt.
Doch alles, was wir versuchen wegzusperren, sucht sich irgendwann einen anderen Ausgang. Alles, was in uns einen Widerstand auslöst und wir dann sozusagen mehr dagegen halten – wird immer stärker auf die eine oder andere Art und Weise. Vielen Menschen ist noch zu wenig klar, was es bedeutet, gegen etwas zu halten, und auf der anderen Seite wundern sie sich selbst über Energieeinbrüche, destruktive Gewohnheiten, emotionale Ausbrüche.
Viele Menschen nutzen auch „emotionale Rückzugszonen“ – ich nenne es auch gerne emotionales Zuhause, ein Zustand, in den man sich immer zurückzieht, weil es bekannt ist, die Emotionen dort bekannt sind, auch wenn diese „einseitig“ zu sein scheinen. Man entzieht sich aus der Vielfalt seiner eigenen Wahrnehmung.
Wenn wir Fehler machen oder scheitern, dann rutschen wir vielleicht genau in solche emotionalen Zuhause ab – bei mir ist es unter anderem der Frust, den kenne ich, aber dabei geht etwas unter – die Wahrnehmung z. B. für Wut, die ich sehr oft dadurch unterdrückt habe. Und grundsätzlich ist an ihr nichts Falsches – es geht um den Ausdruck dieser und wie man damit umgeht. Denn sie kann ein sehr guter Antrieb sein, etwas zu verändern.
Durchfühlte Fehler können uns lebendig machen
Ich kenne diese Momente bis heute, wenn ich an Situationen denke, wo Fehler waren, wo ich mich noch schuldig fühle usw. Da zieht es an gewissen Stellen durch meinen Körper, und ich spüre damit auch, dass ich da noch eine emotionale Ladung festhalte. Manchmal kommen auch noch Bilder dazu, dass ich sogar das in Verbindung bringen kann auf kognitive Art und Weise.
Das Durchfühlen – sich nochmal aufwühlen zu lassen – kann eine echte Entlastung sein, denn man fördert an der Stelle die Selbstkommunikation und die Selbstwahrnehmung. Es ist eine unglaubliche Entlastung für das Nervensystem und für den gesamten Körper. Angestautes kann die unterschiedlichsten Phänomene hervorrufen – eine Bekannte von mir hat sehr starke Panikattacken bekommen, welche sie für eine Zeit arbeitsunfähig gemacht haben. Ich selbst hatte lange sehr oft Verkrampfungen und damit auch Migräne und diffusen Schwindel.
An der Stelle möchte ich auch Mut aussprechen – wenn man das Gefühl hat sich professionelle Hilfe zu holen bei emotionalen und mentalen Themen – dies auf jedenfall zutun!
Wenn wir beginnen, Gefühlen Raum zu lassen und etwas „zu entladen“, erschaffen wir auch mehr Energie. Wir sind nicht damit beschäftigt, uns zu „verkrampfen“, sondern auszubreiten, und lernen auch immer mehr damit entspannter und besser umzugehen.
Reflexionsimpulse:
- Wenn du an eine Situation denkst – welche Emotion kommt hoch, und willst du sie sofort wieder wegdrücken?
- Was nutzt du, um Emotionen nicht zu fühlen?
- Was wäre, wenn du dieses Gefühl, das hinter bzw. mit dem Fehler verknüpft ist, gehen lassen könntest – wie könnte das aussehen bzw. sich anfühlen?
Fehlerfreundlichkeit als Erfolgsfaktor
Durchaus gibt es bereits eine Fehlerkultur in unserer Welt, aber meiner Beobachtung nach hat sie echt Potenzial, sich zu verändern, indem man damit offenen umgeht. Ich habe es echt nicht selten mitbekommen, wie z. B. im beruflichen Kontext vieles verschleiert wurde, weil man Angst hatte, dass der Kopf abgerissen wird – und ich selbst kenne das auch zu gut, und es zieht mich manchmal immer noch zusammen, wenn ich an gewisse Situationen denke – nicht wegen dem Fehler, sondern wie Menschen mich dafür runtergemacht haben oder sogar angeschrien.
Wenn wir etwas richtig toll machen, dann wird man im Idealfall gelobt und auch gefragt, wie man das gemacht hat, und dafür gefeiert. Was wäre, wenn wir auch so beginnen würden – mal neugierig mit Fehlern umzugehen und zu fragen: „Krass, wie hast du denn das gemacht?“ Anstatt auf die Menschen loszugehen, oder?
Ist vielleicht mal eine ganz neue Art und Weise, darauf zu blicken. Das Positive, was dann entsteht: Wir gehen mit uns selbst und auch anderen transparenter und offener um.
Fehlerfreundlichkeit betrifft nicht nur uns selbst
Auch wenn sich dieser Beitrag stark auf persönliche Fehler bezieht, zieht sich das Thema in alle Bereiche des Lebens und vorallem die Zwischenmenschen Beziehungen: in Teams, in Organisationen, Partnerschaften, Beziehungen, überall. Doch es beginnt bei jedem Einzelnen – auch bei denen, die glauben, es sei nicht wichtig, oder die keine Verantwortung für Fehler übernehmen wollen. Das sind übrigens die ersten, die Fingerpointing auf andere betreiben!
Es geht nicht nur darum, die eigenen Fehler zu erkennen und liebevoll anzunehmen. Sondern auch darum, wie wir mit den Fehlern der anderen umgehen: transparenter, respektvoller, menschlicher. Nicht abwertend. Nicht entmenschlichend. Sondern erhebend.
In unserer Zeit, wo Fehler digital überall abrufbar sind, dokumentiert sind – umso ängstlicher werden wir mit ihnen, oder? Masken der Fehlerfreiheit werden aufgezogen, um keine Angriffsfläche zu bieten – aber ist das der Weg, den wir einschlagen sollten? Ich möchte da mal ein riesen Fragezeichen dranmachen.
Eine gelebte Fehlerkultur beginnt bei jedem Einzelnen – mit Selbstehrlichkeit und der inneren Haltung: Ja, Fehler passieren. Aber sie haben ihren Wert – und den sollten wir nicht unterschätzen. Wir fördern unsere eigene Selbstkommunikation, wenn wir mit Fehlern anders umgehen als bisher – transparenter und ehrlicher. Dabei auch erkennen, was es mit uns emotional macht, und wir versuchen, unsere Kellertüren offen zu halten.
Ich war vor einiger Zeit bei einem Workshop, wo wir Fehler gefeiert haben, also wirklich geklatscht und damit auch Fehler der anderen bejubelt. Klingt seltsam? Ja, schon, aber was macht es mit einem? Erstens: Es entlädt die Spannung und die Ladung, und man betrachtet dann Fehler als etwas, was einen weiterbringt und weniger aufhält.
Kraftvolle Fragen zum Abschluss
Ich würde an der Stelle nochmal ein paar besondere Fragen mitgeben:
- Auf welchen Fehler bist du besonders stolz, ihn gemacht zu haben?
- Welchen Fehler würdest du ein zweites Mal machen?
- Und – auch wenn sie vielleicht ein wenig schmerzt – welche Fehler hast du zu oft gemacht, ohne wirklich daraus zu lernen?
Und wenn du heute darüber sprechen könntest: Was könnten andere daraus mitnehmen?
Ein Film der mir in dem Kontext Fehler machen einfällt, ist Der große Trip mit Reese Witherspoon – eine wahre Geschichte. Am Ende findet sie wunderschöne Worte darüber, wie sie sich ihre Fehler nicht mehr schlechtreden will. Stattdessen erkennt sie sie als Wegweiser – für ein Leben, das sie bewusst beginnt zu leben, Schritt für Schritt. Und alles beginnt sich zu fügen.
Ein Film, der mir in dem Kontext Fehler machen einfällt, ist „Der große Trip“ mit Reese Witherspoon – eine wahre Geschichte. Am Ende findet sie wunderschöne Worte darüber, wie sie sich ihre Fehler nicht mehr schlechtreden will. Stattdessen erkennt sie sie als Wegweiser – für ein Leben, das sie bewusst beginnt zu leben, Schritt für Schritt. Und alles beginnt sich zu fügen.
Ich finde, diese Geschichte zeigt sehr eindrücklich, wie sehr Fehler uns prägen – und wie sie uns auf Wege führen können, auf denen wir uns selbst begegnen.
Hinterlasse mir gerne einen Kommentar oder schreibe mir auch gerne direkt – wie du dieses Thema Fehler siehst.
Ich habe auf meinem Blog auch weitere unterstützende Fragen die das Fehlerbewusstsein bzw. auch die Fehlerkultur bei dir verändern können.
Und wenn du sehr gerne lies, kann ich dir das Buch „Ich bin ein Fehler und ich liebe es.“ von Jeffrey Kastenmüller empfehlen. Er berichtet über seine Fehler und auch wie man damit in die eigene „Heilung“ kommt wenn man sich mit allem was man ist annimmt.
Liebe Grüsse Nicole
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